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BAYERNBLICK

Ingrid Hopmann vor dem Flug nach Kairo. Fotos: Hötzelsperger, Rainer Nitzsche, privat, Repros

Ingrid Hopmann vor dem Flug nach Kairo. Fotos: Hötzelsperger, Rainer Nitzsche, privat

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Pilotinnentreffen in Jordanien.

Vor ihrer Abreise zur Feier des 80. Geburtstages mit ihrer Zwillingsschwester in den USA überreichte Rainer Nitzsche Ingrid Hopman ein Foto-Gemälde-Porträt

Vor ihrer Abreise zur Feier des 80. Geburtstages mit ihrer Zwillingsschwester in den USA überreichte Rainer Nitzsche Ingrid Hopman ein Foto-Gemälde-Porträt.

„Ins Flugzeug steigen, abheben und
die Freiheit über den Wolken genießen!“
Mit fast 80 Jahren immer noch weltweit unterwegs:
Pilotin Ingrid Hopman aus dem Chiemgau


Rimstin/Chiemsee (hö) – „In der Luft und in der Welt unterwegs, am Chiemsee und im Chiemgau zu Hause“ – dieses Motto gilt in ganz besonderer Weise für Ingrid Hopman, der ältesten Privatpilotin Bayerns. Die 79-Jährige ist schier unermüdlich und gibt auch gerne Einblicke in ihr reiches Fliegerleben. So zum Beispiel bei einem Vortrag für die Frauen des Soroptimisten-Clubs in Prien und bei einem Besuch in ihrem Haus in Rimsting mit faszinierenden Aussichten auf den Chiemsee und auf die
Chiemgauer Bergwelt.

Das Fliegen wurde Ingrid Hopmann nicht unbedingt in die Wiege gelegt. 1940 kam sie in Friesach in Kärnten von deutschen Eltern zur Welt, sie hatte fünf Geschwister, unter anderem eine Zwillings-Schwester Gudrun. Nachdem ihr Vater im Krieg sein Leben lassen musste, heiratete ihre Mutter einen Tierarzt aus Wien. Nach dem Besuch der Grundschule und einer Frauen-Berufsschule folgten für die diplomierte Krankenschwester weitere Ausbildungen zur Anästhesie- und Intensiv-Schwester. 1968 war dann das entscheidende Jahr für Ingrid Hopman in Richtung Kurs auf ein außergewöhnliches Fliegerleben. „1968 waren die Studenten-Unruhen, wir stritten und demonstrierten für die Gleichberechtigung der Geschlechter, Apollo 8 umrundete den Mond und die Tupolew, das erste Überschall-Passagier-Flugzeug absolvierte ihren Jungfernflug“ – so Ingrid Hopman, die in ihrem geschichtlichen Rückblick noch anfügte, dass 1968 das Flugbenzin 40 Pfennige je Liter kostete und dass ein Jahr später 1969 Neil Armstrong als erster Mensch auf dem Mond landete und im selben Jahr der Erstflug der Concorde war.

„Als ich 1968 dank eines guten Freundes erstmals mit der Fliegerei in Berührung kam, spürte ich ein großes Aha- und Freiheits-Erlebnis und ich begann im Sommer mit der Ausbildung zur Privatpilotin. Damals war ich die einzige Frau neben acht jungen Burschen in der sonst männlich geprägten Welt“ – so begannen Ausbildung und Flugerlebnisse. Für die Privat-Piloten-Lizenz (PPL)-A(=Motorflieger)-Ausbildung musste Ingrid Hopman in ihrem Urlaub von Klagenfurt in Kärnten nach St. Michaelisdonn in Schleswig-Holstein 1.300 Kilometer für eine Strecke und 3.000 Mark an Gebühren in Kauf nehmen. 1970 erwarb sie die Pilotenlizenz, dabei erinnert sie sich: „Vormittags war Theorie, mittags wurde ich zum Dreiecksflug geschickt, nach der Rückkehr am Abend wurde mir noch der Prüfungsflug abgenommen, damals noch ohne Funk-Nutzung“.

Ihr Fluglehrer Fritz Hammesfahr gab der Nachwuchs-Pilotin folgenden Tipp: „Wenn die Eisenbahn zu Ende ist, siehst Du den Flugplatz von Flensburg“. Doch die Pilotin fand den Flugplatz nicht, als sie eine Lufthansa-Maschine im Anflug sah, folgte sie dieser und landete geglückt und mit Stolz auf der Betonpiste. Doch für ihre C-150 Maschine wäre eine Grasbahn vorgesehen gewesen und so bekam sie einen Anpfiff und Tränen. Bei ihrem Weiterflug nach Wyk auf Föhr fiel ihr in der Verzweiflung ein, dass sie vergaß zu tanken und den Fluglehrer anzurufen. Da das Benzin bis zur Insel reichte, reichte es an diesem Tag letztlich auch noch nach dem Rückflug von der Insel zum erfolgreichen Prüfungsflug mit der Nr. 890.

„Wenn einer, der mit Müh und Not geworden ist Privatpilot und denkt, dass er ein Flieger wäre, dann irrt sich der“ – frei nach dieser Wahrheit suchte Ingrid Hopman weitere Aus- und Fortbildungen sowie Kontakte zur 1968 gegründeten Vereinigung Deutscher Pilotinnen. Diese Vereinigung, unter anderem mit Clairlotte Trense (Mutz), der Afrikafliegerin Elly Beinhorn, der Testpilotin Hanna Reitsch und Nancy Bird Walton (Gründerin der Australischen Ambulanzfliegerei), musste sich in der Gesellschaft erst durchsetzen, so berichtete der Spiegel im Juni 1969: „In Worms gründeten die deutschen Luftsportlerinnen ihr eigenes Damenkränzchen“.

Doch schon ein Jahr später waren es bereits 35 Pilotinnen. Ingrid Hopman erwarb im Oktober 1970 die Österreichische Flug-Lizenz, im Juli 1971 folgte das Funksprech-Zeugnis deutsch und englisch in Wien, zwei Jahre später war dann erfolgreich eine die Segelflug- und Bannerschlepp-Ausbildung mit PA 19 in St. Michaelisdonn und 1973 führt ihr beruflicher Weg ins Klinikum Großhadern. Dort lernte sie ihren Mann Dr. Herman Hopman kennen, beteiligt sich an vielen Fortbildungen und fand starke Direktions-Beachtung mit der Abschluss-Arbeit „Wie erlebt der Patient seinen Krankenhausaufenthalt“. 1976 beginnt ihr Mann mit
seiner Pilotenausbildung.

1978 beginn für das Ehepaar Hopman ein neuer Lebensabschnitt, sie ziehen nach Prien a. Chiemsee und eröffnen eine neurologische-psychiatrische Praxis. Die weiteren Stationen sind der Eintritt in den Motorfliegerclub Rosenheim in Vogtareuth, erste Plätze bei Flug-
Wettbewerben und Fortbildungen in München. Das erfolgreiche Berufs- und Fliegerleben erfährt 1983 durch den frühen Tod des 46jährigen Ehemannes eine traurige Unterbrechung. Ingrid Hopman lässt sich jedoch nicht unterkriegen und macht sich von da an alleine auf den Weg, der immer weiter wurde. 1985 unternahm sie Flüge nach Frankreich, auf die Kanalinsel Gernsey im Ärmelkanal, mit einer Piper PA28 Turbo Arrow von Los Angeles über Las Vegas, Sedona (Arizona), Carlsbad (New Mexico) und Denning (Westtexas) bis zur mexikanischen Grenze und zurück nach Long Beach.

Zu dieser Zeit erfolgte auch der Eintritt in die Vereinigung Deutscher Pilotinnen (zur Zeit 300 Mitglieder) und in die amerikanische Pilotinnenvereinigung Ninety-Nines (99s) mit über 5.000 Mitgliedern weltweit. „Es werden nur Pilotinnen mit gültiger Pilotenlizenz aufgenommen, Fördermitglieder sind möglich und auch zu den Veranstaltungen eingeladen“ – so Ingrid Hopman, die sich auch in ihrer bayerischen Heimat fliegerisch wertvoll betätigt. So organisierte sie das erste Fly-In-Treffen am Chiemsee 1989, dem 2007 und 2014 europäische Treffen mit 130 Teilnehmern folgten; insgesamt waren es dann –mit jeweiliger Unterbringung im Kloster von Frauenchiemsee - bislang elf Treffen, das zwölfte soll 2020 folgen. Für Antenne Bayern unternahm sie mit ihrer Flieger-Freundin Helga Wimmer Verkehrsüberwachungsflüge.

Auch als sie 1990 an Krebs erkrankte, blieb Ingrid Hopman aktiv und unternehmungslustig. „Jetzt erst recht, dachte ich und flog spontan mit einem jungen Kärnter Piloten über
Alabama-New Orleans-Mississippi nach Florida und mit einer Notlandung in Disneyworld“ – mit diesem Abenteuerflug begann ein weiterer Abschnitt im spannenden Leben von Ingrid Hopman mit ungezählten Höhepunkten. Hierzu gehörten 1993 ein Flug von Nairobi in Kenia vorbei am Kilimandscharo, an den Indischen Ozean auf die Insel Lamu und dann zurück in die Masai
Mara, 1995 eine Gletscherflugeinweisung in Frankreich verbunden mit Skilauf, 1996 und 1997 Floridaflüge, verschiedene Ziellandewettbewerbe in Deutschland und in Österreich mit ersten Plätzen; weiters folgten der Erwerb der Ultraleichtflugberechtigung Remos G3, 2002 ein Elly-
Beinhorn-Gedächtnisflug nach Berlin-Tempelhof und 2002 die gefährliche Begegnung mit einem Wespenbussard, hierzu erinnert sich die Pilotin: „Es war in den Kärntner Bergen, der Vogel greift mich an, verschätzt sich und bleibt an der linken Tragfläche hängen. Heute hängt er vor meinem Schlafzimmer und bewacht mich“.

Alaska im Jahr 2003, Beinahe-Zusammenstöße mit einem Motorsegler und einem Hochdecker UL-C42 in der Luft, eine Notlandung mit ihrem Neffen in Houston/Texas, ein Fast-Unglück auf dem Heimat-Flugplatz in Bad Endorf als ein Pilot mit einer uralten Flugkarte und falschen Frequenz-Daten in der falschen Richtung landete sowie ein Demo-Flug gegen die Schließung des historischen Flugplatzes Berlin Tempelhof waren weitere Erlebnisse, deren Anzahl sich weiter fortsetzte: 2009 waren internationale Pilotinnentreffen in Indien und Italien, Flüge in Australien und nach Papua Guinea, die Aufnahme in die Traditionsgemeinschaft der Alten
Adler, Verleihung des Leistungsabzeichens mit 5 Kontinental-Diamanten, ein Treffen der
99s-Pilotinnen auf Hawaii mit Flug mit Glascockpit bis Honolulu und zurück, ein neuer Segelflugschein im Alter von 71 Jahren, die Teilnahme bei „100-Jahre-Deutschlandflug“, ein Karibikflug von Florida St. Augustin über die Bahamas zum Karneval nach Trinidad, Alpen-
Überquerungen sowie weitere Routen von Südafrika bis Norwegen.

Zu den weiteren angenehmen Aufregungen gehörten Flüge und Landungen in
Papa Neu-Guinea, im Urwald, eine Kunstflug-Instruktion mit dem Österreichischen Staatsmeister und Piloten Thonhauser sowie der Erwerb 1971 des Kunstflugscheins in Klagenfurt mit einem offenen Doppeldecker. „Ein ganz inniger Dank gilt bei allem, was ich weltweit erlebte, Sepp Heinrichsberger vom Bad Endorfer Flugplatz, der stets für Ordnung und damit Sicherheit sorgt“ – so die Pilotin.

Jüngste Ereignisse waren 2018 ein Pilotinnentreffen in Kairo in Ägypten und das ganz persönliche Jubiläum „50 Jahre aktive Pilotin“. Im Jahr 2019 nahm Ingrid Hopman am ersten Afrikanischen Pilotinnentreffen in Malawi und Tanzania teil und zum Jahresende 2019 und 2020 hat sie sich wieder etwas Besonderes vorgenommen, wenn sie zu ihrer Zwillingsschwester nach Amerika fliegt um mit ihr, Familie und Freunden den 80. Geburtstag in der Karibik zu feiern. „Dabei werde ich mich auch mit einem Piloten treffen, mit dem ich 2009 in Houston/Texas in seiner Luscomb (Baujahr 1940) fliegen durfte und der inzwischen 102 Jahre alt ist und immer noch fliegt“ – so Ingrid Hopman erwartungsfroh kurz vor ihrer Abreise und mit einer fast unglaublichen Lebens-Flug-Bilanz, die da lautet: „Bisher bin ich mit 29 verschiedenen Flugzeugtypen geflogen, dabei summierte sich die Flugzeit auf 2.500 Stunden, was 105 Tagen und 275.000 Kilometern entspricht. Damit bin ich sieben mal um die Erde geflogen und habe 6.707 Starts und Landungen absolviert“.

Für Ingrid Hopman, die in den letzten Jahren mit dem Samerberger Fotografen Rainer Nitzsche viele Rund-Flüge unternahm, um die nähere und weitere Heimat aus der Luft fotografisch festzuhalten, ist das Fliegen ein erfülltes Leben und zugleich auch eine soziale Aufgabe, denn sie flog und fliegt Behinderte, krebskranke Kinder, Senioren und Gäste. Ein erstes Ziel nach ihrem Geburtstag am 14. Januar, den sie in Amerika verbringt, wird im Februar das Fliegen in Uruguay sein. Ihr Motto lautet: „Meine Leidenschaft zu fliegen werde ich noch nicht aufgeben so lange mir der Fliegerarzt das OK gibt. Und so lange ich das Medical alle Jahre bekomme, werde ich in ein Flugzeug steigen, abheben und die Freiheit über den Wolken genießen!“

Rainer Nitzsche überreicht Ingrid Hopman das Foto-Gemälde-Porträt

Rainer Nitzsche überreicht Ingrid Hopman das Foto-Gemälde-Porträt.

HOE_Pilotin_kl-Mit Sepp Heinrichsberger

Ingrid Hopman mit Sepp Heinrichsberger.

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