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Bayreuth

Bayreuth (1)

Harald Schmidt, Astrid Bscher, Klaus Florian Vogt.
Foto: G. Nitschke/Brauer Photos für Filmfritz

Großes Kino in Bayreuth
Backstage mit Wagner-Star-Tenor Klaus Florian Vogt

Von Andrea Vodermayr
Wenn in Bayreuth die Richard-Wagner-Festspiele die Kulturwelt elektrisieren, dann jagt ein Highlight das nächste. Ein besonderer Coup gelang der Regisseurin Astrid Bscher am Mittwoch. Sie lockte die Prominenz abseits des Grünen Hügels zu einem hochexklusiven Dokumentarfilm-Screening ins „Cineplex Kino“ und präsentierte dort das berührende Porträt „Hier kennt einer das Fürchten nicht – Backstage mit Wagner-Star-Tenor Klaus Florian Vogt“. Ein absolutes Must-See für alle Klassik-Fans! Denn der Film gewährt faszinierende, ehrliche und emotionale Einblicke in das Leben eines Mannes, der mit seiner strahlenden Stimme weltweit die Opernhäuser erobert – und dennoch spürbar geerdet geblieben ist.

Klaus Florian Vogt war persönlich bei der Premiere anwesend. Als weiterer Stargast des Abends erschien Entertainer-Legende Harald Schmidt, während sich auch im Publikum viele weitere Prominente einfanden: die Schauspielerin und Fotografin Margarita Broich (bekannt u.a. als Frankfurter „Tatort“-Kommissarin Anna Janneke) mit ihrem Ehemann Dr. Dirk Schmalenbach, die weltweit renommierte finnische Opernsängerin Camilla Nylund (Sopranistin), die regelmäßig als dramatische Hauptdarstellerin auf den bedeutendsten Opernbühnen der Welt und auch in Bayreuth singt, Bariton „Wotan“ Michael Volle (einer der gefragtesten deutschen Opernsänger der Gegenwart, berühmt für seine Wagner-Interpretationen, u.a. „Die Meistersinger von Nürnberg“) und der Münchner Gastronom Michael P. Schottenhamel.

Aus gutem Grund hatte Gastgeberin Astrid Bscher Bayreuth für die Veranstaltung ausgesucht, denn die Regisseurin begleitet den norddeutschen Sänger Klaus Florian Vogt durch verschiedene europäische Opernhäuser – neben Dresden und Zürich eben auch zu den Bayreuther Festspielen. „Bayreuth ist schon ein spezieller Ort, auch weil er so weit weg ist“, erklärte sie. „Man muss stets eine lange Auto- oder Bahnfahrt auf sich nehmen, um hierher zu kommen. Aber genau das führt dazu, dass hier eine Ansammlung von Menschen zusammenkommt, die sich wirklich für Musik interessieren. Die Musik ist hier der Glamour, nicht das Hotel oder das Kleid. Für mich ist ein Opernbesuch wie ein inneres Ordnen, ein inneres Neuausrichten. Denn man sitzt vier oder gar fünf Stunden im Dunkeln mit sich allein und der Musik. Ich komme schon seit bestimmt 20 Jahren immer wieder hierher und es gehört für mich dazu, zum Sommergefühl“, schwärmte sie.

Was Harald Schmidt zur Premiere führte? Er tritt mit Vogt mit dem Programm „Wagner zu Dritt“ auf. Den Film sah er schon zum dritten Mal, wie er erzählte. Und es lohnt sich, diesen anzusehen: „Weil man endlich mal mitkriegt, was für ein mörderisches Pensum diese Sänger auf absolutem Weltniveau absolvieren – zwischen Mailand, New York und Bayreuth“, lobte Schmidt. „Außerdem bekommt man einen sehr privaten Eindruck von ihm. Und so, wie man ihn im Film erlebt, so erlebe ich ihn auch abseits der Bühne. Mir ist es ein absolutes Rätsel, wie man bei so einer extremen Belastung so tiefenentspannt sein kann. Das ist wirklich bemerkenswert. Ich freue mich schon, ihn morgen hier in Bayreuth im „Siegfried“ zu erleben. Außerdem habe ich noch Karten für die „Götterdämmerung“. Für mich ist das hier eine großartige Gelegenheit, während der Festspiele direkt nach Bayreuth zu kommen“, so der Entertainer weiter. „Es macht unglaublich großen Spaß, hier zu sein, denn man hat ein grandioses Publikum. Ich habe letztes Jahr hier den „Tannhäuser“ gesehen. Bayreuth ist weltweit einmalig. Es gibt mit Sicherheit kein anderes Opernhaus auf der Welt mit einer solchen Akustik. Und dann dieser ganze Wagner-Wahnsinn! Das Haus ist komplett nach den Vorgaben des Meisters gebaut worden. Mir gefällt besonders die Anekdote, dass Wagner das Festspielhaus ursprünglich nach den ersten Aufführungen wieder abreißen lassen wollte. Und heute ist die ganze Stadt ein einziger Wagner-Freizeitpark: Es gibt den Wagner-Friseur, die Wagner-Pizza... alles für Wagner! Diese Atmosphäre ist weltweit absolut einmalig.“

Vor Ort konnten die Kinobesucher an diesem herrlichen Sommertag in die Welt der großen Opernbühnen und auch die Leichtigkeit des Seins eintauchen: Der Film zeigt, wie leicht und angstfrei Vogt mit den extrem komplexen und gefürchteten Heldenpartien von Richard Wagner wie Tannhäuser, Tristan oder Siegfried umgeht. Der Titel spielt dabei auf das Wagner-Zitat aus „Siegfried“ an, dass nur derjenige Neues erschaffen kann „wer das Fürchten nie erfuhr“. Der Zuschauer erhält dabei dank der Regisseurin seltene Einblicke hinter die Kulissen, ist beispielsweise während einer Siegfried-Vorstellung mit dabei hinter der Bühne. In die intensive Detailarbeit, das private Rollenstudium, die Maske und jene hochemotionalen Momente direkt vor dem Betreten der Bühne. Zudem gibt es auch viele sehr persönliche Einblicke: „Der Film beleuchtet die Zweifel und die spürbare Verletzlichkeit, wenn bei Auftritten kleinste Fehler passieren“, so die Regisseurin. Neben Proben- und Bühnenausschnitten sieht man den Sänger auch in sehr privaten Momenten mit seiner Frau Silvia Vogt und den vier Söhnen oder beim Steuern seines Privatflugzeugs hoch über den Wolken. Und da gab es durchaus auch einige turbulente Momente, wie hier Astrid Bscher sich schmunzelnd erinnerte: „Mein Kamerateam hatte an einem Flügel von Klaus' Flugzeug eine Kamera befestigt. Da war ich selbst unsicher und fragte, ob das nicht die Luftströmung abreißen lassen kann. Und obwohl sich alle sicher waren, dass das klappt, war ich recht froh, als Klaus wieder gelandet war…“. Auch in der Schweiz war der Dreh actionreich: „Die Opernhaus Zürich hatte uns gestattet, dass wir uns während einer Vorstellung frei hinter der Bühne bewegen. Da wurden riesige Kulissen geschoben, man sieht das auch im Film. Da hatte ich schonmal Angst, dass wir plötzlich ungewollt auf der Bühne landen.“

Wie ist die Idee zum Film entstanden, und wie kam sie überhaupt mit Klaus Florian Vogt zusammen, zumal Opernstars doch oft als unnahbar gelten? Bscher: „Die Titelpartie ‚Siegfried‘ halte ich für eine der Rollen, in denen Klaus Florian Vogt im Moment einfach nicht zu toppen ist. Und er tritt als Wagners ‚Siegfried‘ dem Drachen in einer gewissen Unbeschwertheit gegenüber und singt diesen Satz: ‚Hier kennt einer das Fürchten nicht‘. Das fand ich sehr signifikant für Klaus Florian Vogts Lebensstil. Er tritt dem Leben angstfrei gegenüber. Ich kenne Klaus schon seit mehr als 20 Jahren, damals war er noch kein Star. Aber er hat auch mit seiner Bekanntheit keine Allüren entwickelt. Als Wagner-Sänger muss er wie ein Leistungssportler immer wieder aufs Neue ‚liefern‘. Da bleibt wenig Energie für Versnobtheit übrig. Es ist auch unser zweiter gemeinsamer Film; 2011 ist schon der Film ‚Der Meistersinger‘ für den WDR entstanden. Von daher gibt es ein langes gewachsenes Vertrauensverhältnis.“

Klaus Florian Vogt wirkte sehr entspannt. Wo ist die Aufregung größer – bei so einer Filmpremiere oder wenn er auf der Opernbühne steht? Klaus Florian Vogt: „Es ist komisch, hierherzukommen und nicht singen zu müssen“, meinte er schmunzelnd. „Das fühlt sich wirklich eigenartig an. Aber ich muss zugeben: Auf der Bühne bin ich schon angespannter. Hier ist das Werk fertig und ich kann nichts mehr beeinflussen. Der Dreh war wirklich wunderbar! Astrid Bscher versteht es meisterhaft, mit der Kamera sehr nah an einen heranzukommen und trotzdem eine gewisse, schützende Distanz zu wahren.“ Wie nah ist der Film an seinem echten Leben? Klaus Florian Vogt: „Es ist natürlich nur ein kurzer Ausschnitt, aber dieser Ausschnitt trifft die Realität schon sehr genau. So ist mein Leben wirklich.“ Bayreuth ist für ihn immer besonders, denn er tritt hier schon seit 20 Jahren auf: „Mein Debüt im Jahr 2007 war ein ganz einschneidender Punkt in meinem Leben. Inzwischen sind fast 20 Jahre vergangen – man glaubt es kaum. Es ist immer wieder wunderschön, hierherzukommen. Heute Abend hatte ich frei, aber morgen geht es gleich weiter mit dem „Siegfried“. Das Timing für die Premiere heute passt also perfekt.“

In der 65-minütigen Dokumentation, die ab sofort bei „Amazon Prime Video“ zum Streamen bereit ist, kommen auch viele renommierte Wegbegleiter zu Wort, neben Dirigent Christian Thielemann eben auch Harald Schmidt. Harald Schmidt war bereits bei Astrid Bschers Premiere im Münchner Arri-Kino vor zwei Jahren zu Gast, als sie ihren Film über den Sänger Günther Groissböck präsentierte. Was schätzt die Regisseurin persönlich an dem Entertainer Schmidt und seiner Perspektive auf die Klassikwelt? Astrid Bscher: „Ich denke, uns verbindet der Respekt vor dieser vielschichtigen Leistung, die ein Sänger wie Klaus Florian Vogt vollbringt.“ Und somit hatte sie ihn sehr gerne als Talkpartner ausgewählt: „Ich hatte die Menschen befragt, die entweder menschlich oder musikalisch am meisten über Klaus wissen. Da war die Auswahl schnell klar: Harald Schmidt und er haben eine gemeinsame Show, mit der sie öfter auf Tournee gehen, ‚Wagner zu Dritt‘.“ Auch Christian Thielemann war ihr ein Herzensgast: „Um Liebe zu entwickeln, muss man ja etwas über Oper wissen. Und es gibt Menschen, die komplexe Zusammenhänge einfach erklären können. Christian Thielemann ist so jemand. Er hat die Tiefen von Richard Wagners Musik so genau ergründet, dass er ganz einfach darüber sprechen kann“, schwärmte sie.

Begeistert vom Abend war auch die Schauspielerin und Fotografin Margarita Broich: „Ich bin eine große Verehrerin von Frau Bscher und ihren Filmen und bewundere auch Klaus Florian Vogt sehr. Sein Leben ist auf jeden Fall einen Film wert.“ Sie freute sich auch über das Treffen mit Harald Schmidt, denn die beiden haben vor längerer Zeit gedreht: „Wir standen zusammen im Film ‚Teufelsbraten‘ vor der Kamera, und da hat Harald Schmidt einen Unterwäscheverkäufer gespielt. Deswegen freue ich mich auf das Wiedersehen.“

Ein weiteres Highlight des Abends folgte direkt im Anschluss live auf der Bühne: Der mit Spannung erwartete Film-Talk mit Astrid Bscher, Klaus Florian Vogt und Harald Schmidt. Letzterer bereicherte wie gewohnt mit der perfekten Mischung aus Humor, intellektuellem Scharfsinn und Schlagfertigkeit die Talkrunde – ein verbaler Schlagabtausch auf allerhöchstem Niveau und ein Gipfeltreffen der Kulturszene der Extraklasse! So kam das Thema KI beim Ring zur Sprache, und zudem gab es Einblicke in den Tagesablauf des Opernstars. Das Kinopublikum war sichtlich bewegt und feierte den Abend am Ende mit begeistertem Applaus. Was ist die Kernbotschaft, die das Publikum nach diesen 65 Minuten über das Leben eines modernen Wagner-Helden mit nach Hause nehmen soll? Astrid Bscher: „Ich wünsche mir bei jedem Film, den ich fertigstelle, dass ich die Liebe für die klassische Musik im Zuschauer entfachen kann.“

Nach dem hochkarätigen Kulturgenuss wurde dann im stilvollen Ambiente der „Franz & Gloria Bar“ gefeiert: Bei einem feinen Flying Dinner, unterstützt wurde das Essen vom Traditionshaus „Wolffenzacher“, ließen die prominenten Gäste den Abend bei Drinks, kulinarischen Köstlichkeiten und anregenden Gesprächen Revue passieren. Mit dabei: Charlotte Gräfin von Oeynhausen, die die Veranstaltung PR-technisch unterstützte, Prof. Dr. Dieter Vogel (ehemaliger Vorstandsvorsitzender „Thyssen AG“ und Aufsichtsratschef bei „Bertelsmann“, jetzt Honorarprofessor an der „TUM School of Management“), Andreas Thies (Auktionator, Investor und Bayreuth-Kenner), u.v.m.

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