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IDer Rezepteblog von Kultbäcker Martin Schönleben

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HOE_kl-1mit TI Bernau

Willkommen auf dem Hanznhof – von links: Eduard Wierer, Claudia Rieling (TI Bernau),
Lukas und Elisabeth sowie Sandra Wierer. Fotos: Hötzelsperger

„Urlaub statt Applaus“
Rosenheimer Krankenschwester beim Hanznhof zur Erholung

Bernau a. Chiemsee (hö) – „Urlaub statt Applaus“ – dieses klare Motto gab nach fast zwei Jahren der Pandemie die Ferienplattform www.landreise.de heraus und der Ruf fand beim Mitgliedsbetrieb Hanznhof in Bernau Gehör. Die Inhaber Sandra und Eduard Wierer beteiligten sich als einer von 53 Betrieben von der Ostsee bis Südtirol und nahmen Bewerbungen für einen fast einwöchigen und kostenlosen Erholungs- und Erlebnis-Urlaub entgegen. Die Wahl fiel letztlich auf die Fachkrankenschwester für Intensiv- und Anästhesiepflege Elisabeth aus Rosenheim mit ihrem vierjährigen
Sohn Lukas.


Für Sandra Wierer, die auch Geschäftsführerin der Anbietergemeinschaft „Urlaub auf dem Bauernhof Chiemsee-Wendelstein“ ist, war es eine schnelle Entscheidung und Selbstverständlichkeit, dem bundesweiten Aufruf zu folgen, sie sagte. „Natürlich erleben wir seit der Pandemie große Nachteile für unseren Übernachtungsbetrieb, aber was Leute im
Pflege- und Intensivbereich leisten, das wollen wir mit einer konkreten Tat honorieren. Verstärkt wurden wir in dieser Entscheidung als uns ein junger Stammgast von seinem
Intensiv-Aufenthalt und von der von ihm erfahrenen Pflege erzählte“.

Für Elisabeth ist die Aufenthalts-Spende in der Fünf-Sterne-Ferienwohnung nicht nur eine Überraschung und ein Dankeschön, sondern vor allem eine Wohltat. Seit 14 Jahren ist sie als Krankenschwester bei der RoMed-Klinik in Rosenheim tätig, einige Zeit auch in der Intensiv-
Abteilung. Auf die Frage, was sie seit Corona am meisten bedrückt, erklärte sie: „Wenn Angehörige lange Zeit ihre Lieben und Kranken nicht besuchen können, ist das hoch-emotional. Selbst hat man natürlich auch Angst, dass man eine Ansteckung mit nach Hause bringt“. Wie sie weiter sagt, hatte sie bereits bei der ersten Corona-Welle ebenso wie ihr Sohn den Virus, zum Glück beide mit einem guten Verlauf.

„Jede Pflegekraft, die wir verlieren, wird schwer fehlen“
Für die Allein-Erziehende mit Nacht-Schicht-Dienst ist die berufliche Erfüllung nicht einfach, sie wird allerdings daheim von ihren Eltern und ihrer Oma unterstützt und gestützt. Zur Impfpflicht gefragt meint sie: „Die behördliche Anordnung, bis März geimpft sein zu müssen, macht es für unseren Berufsstand spannend. Schließlich sind wir global die einzige, noch dazu am Limit arbeitende Berufsgruppe, für die es gilt. Falls es da zu Kündigungen kommt, wird es bei der eh schon ausgereizten Arbeitsplatz-Situation fatal, jede Pflegekraft, die wir verlieren, wird schwer fehlen“. Als makaber bezeichnete sie die Rosenheimer Demos gegen Corona im Angesicht der Intensiv-Abteilung vom RoMed-Klinikum.

Für ihren Sohn Lukas waren die Tage bei der Familie Wierer mit traditionellem Hof-Wochen-
Programm etwas Außergewöhnliches. Vom Pony-Reiten am ersten Tag, über Ziegen-Füttern, Kühe-Melken und Meerschweinchen-Streicheln ging es über eine Nachtwanderung mit Feuerschalen-Atmosphäre zu einer Kutschfahrt mit dem Seppnbauernhof. „Es hat uns wirklich gut getan!“ – Dieses Resümee trafen sowohl die Krankenschwester als auch die Gastgeber. Diese erklärten zudem, dass sie – je nach aktuellem Pandemie-Verlauf - die Einladungs-Aktion gerne wiederholen wollen.

Auch die Tourist-Information Bernau war von der Aktion „Urlaub statt Applaus“ angetan.
Deren Marketing-Leiterin Claudia Rieling bedankte sich auch namens der Bürgermeisterin Irene Biebl-Daiber mit einem kleinen Präsentkorb mit regionalen Spezialitäten bei
der Fachkrankenschwester.


HOE_Bauer_Simon Bauer mit Erinnerungen

Forstwirtschaftsmeister Simon Bauer aus Stein bei Sachrang mit seinem Fotoalbum.
Foto: Hötzelsperger

Vom Holzknecht zum Fortwirtschaftsmeister
Simon Bauer (93) aus Sachrang erzählt

Sachrang/Chiemgau (hö) – Schon sein Vater war Holzknecht, zuerst bei den Cramer-
Klett’schen Forstbetrieben im Priental, ab 1932 nach dem Verkauf an den Bayerischen Staat beim Staatsforst. Die Rede ist von Martin Bauer, Schuasta-Bauer von Stein in der vormaligen Gemeinde Sachrang und von dessen Sohn Simon Bauer, der wie sein Vater den Beruf des Holzarbeiters ausübte. Wie sehr sich in all den Jahrzehnten das Berufsbild und das Leben des Holzknechtes verwandelten, das erzählte uns Simon Bauer in seinem Haus in Stein (heute Gemeinde Aschau i. Chiemgau). Der 93-Jährige (sein Vater wurde übrigens 91 Jahre) gab dabei auch einen Einblick, in welch schwieriger Zeit er zum Dienst im Forst kam.

„Uns wurde die schönste Jugendzeit gestohlen“ – mit diesem bitterem Rückblick erinnert Simon Bauer daran, dass er am 6. Mai 1943, als genau zwei Jahre vor Ende des Zweiten Weltkriegs, vom Bayerischen Regierungsforstamt Oberbayern die Bescheinigung über die Zulassung zur Forstlehre erhielt und er ergänzte: „Hierzu musste ich die Geburtsurkunden meiner Vorfahren bis zu den Großeltern vorlegen, um meine arische Abstammung nachzuweisen“. Der junge Simon wollte nicht nur Holzknecht, sondern Förster werden, da er aber kein Abitur hatte, hätte es nur den Weg eines Studiums im Rahmen einer 12-jährigen Wehrmachts-
Verpflichtung gegeben.

Doch all diese Pläne und Möglichkeiten wurden durch den Krieg zunichte gemacht.
Simon Bauer kam noch während seiner Ausbildungszeit in ein „Wehrertüchtigungslager“, am
10. August 1944 kam die Einberufung zum Reichsarbeitsdienst nach Barmsee bei Krün/Mittenwald und am 1. November 1944 wurde er zur Fallschirmjägerdivision Hermann Göring nach Berlin in die Kaserne Reinickendorf einberufen. Von dort kehrte er nach Kriegsende abenteuerlich nach rund 1.300 Kilometern Fußweg zurück in seine Prientaler Heimat.

Nach Kriegsheimkehr wieder Neubeginn beim Forst
Zurück daheim konnte Bauer beim Forstamt wieder anfangen und er wurde etliche Jahre als Helfer bei verschiedenen Forstbezirken beschäftigt, dazu erinnert er sich: „Während dieser Zeit gab es einen Forstmeister, der immer auf die Jagd ging und sich währenddessen auf der Diensthütte aufhielt. Ich musste ihm täglich die Post auf die Diensthütte bringen“. Die hauptsächlichen Tätigkeiten bestanden aus Holzvermessung und Einteilung des Holzes in verschiedene Güteklassen, der damalige Stundenlohn betrug 32 Pfennige. Dazu Simon Bauer: „Mit diesem Lohn musste ich zu einem großen Teil zum Lebensunterhalt der Familie beitragen. Ab 1950 wechselte ich in eine Stücklohn-Partie im Revier Sachrang. Ich war also auch Holzknecht, wie mein Vater!“

Der Arbeitstag begann auf dem Berg in der Früh um 7 Uhr, die Wochenarbeitszeit waren
49 Stunden. „Das Holz wurde damals noch mit Handschlitten vom Berg gebracht, was sehr gefährlich war. Einige Male sprang ich vom Schlitten ab, bevor es zu einem Unglück kommen konnte. Im Sommer blieben wir meistens die Woche über auf der Arbeiterhütte und mussten uns selber versorgen. Nicht selten war es, dass wir dabei die Almen mit ihren Sennerinnen aufsuchten“. Auf diese Weise lernte Simon Bauer auf der höher gelegenen Oberkaseralm seine spätere Ehefrau Traudl, die aus einem Bauernhof vom Samerberg stammte, kennen.

Aus dem Holzknecht wurde ein Waldfacharbeiter und Forstwirtschaftsmeister
Im Laufe der Zeit änderten sich Arbeitsgeräte (u.a. wurde die Motorsäge erfunden), Berufsbild und Lehrpläne, so dass aus dem Holzknecht mit der Zeit ein Waldfacharbeiter und Forstwirtschaftsmeister wurde. 1977 war erstmals ein Lehrgang zum Erwerb eines Forstwirtschaftsmeistertitels in Bayern angeboten. Nach bestandener Aufnahmeprüfung drückte Simon Bauer mit 49 Jahren nochmals die Schulbank von Februar bis Dezember an der Forstlichen Ausbildungsschule in Lohr am Main. „Es war kein leichtes Jahr, aber es hat sich gelohnt. Am 15. Dezember 1977 bekam ist als Erster in ganz Bayern von 23 weiteren Männern den Forstwirtschaftsmeisterbrief aus der Hand vom damaligen Bayerischen Landwirtschafts- und Forst-Minister Hans Eisenmann. Als Erster deswegen, weil die Vergabe nach dem Alphabet erfolgte“ – so der neue Waldwirtschaftsmeister, der fortan für die Ausbildung der Lehrlinge zum Forstwirt verantwortlich war.

Bis zu seiner Pensionierung waren es 10 Lehrlinge, die alle ihre Ausbildung mit Erfolg abgeschlossen haben. Ab 1950 gehörte Simon Bauer der Gewerkschaft GLF (Gartenbau, Land- und Forstwirtschaft) an, von 1960 bis zu seiner Pensionierung im Jahr 1991 wurde er in den Personalrat der Oberforstdirektion München gewählt. Ab 1979 gab es für den Forstfachmann eine neue Aufgabe bei der Bayerischen Waldbauernschule in Hohenkammer und nach dessen Verlegung nach Scheyern im Rahmen der Erwachsenenbildung. Aufgrund seiner Kenntnisse wurde er 1987 in den Prüfungsausschuss für Forstwirtschaftsmeisterprüfungen in Bayern berufen, dem er ebenfalls bis zu seiner Pensionierung angehörte.

„Früher mehr plagen, heute mehr Lärm und Abgase“
Auf die Frage, was früher anders als heute war, sagt Simon Bauer: „Früher mussten wir uns mehr plagen und schinden und es war auch gefährlicher, heute sind nachteilig der Lärm der Maschinen und die Abgase vom Benzin. Und dann war zu meiner Zeit der Namenstag des Heiligen Vinzenz (22. Januar) ein Feiertag, der in Sachrang, Aschau und Frasdorf mit einem Gottesdienst begann, hernach wurde eingekehrt und für den Abend organisierten wir auch noch eine Musik. Der Vinzenzentag waren harte Tage“.

Dass der Forstwirt weiter ein Beruf mit Zukunft ist, zeigen die Bayerischen Staatsforsten in Ruhpolding mit derzeit 12 Lehrlingen. Im übrigen empfiehlt der erfahrene Forstwirtschaftsmeister das Holzknechtmuseum in der Laubau in der Gemeinde Ruhpolding, dieses gewährt in anschaulicher Weise, wie hart und wichtig die Waldarbeiten früher waren.

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www.heidi-winkler.de

Kunstmalerin Heidi Winkler
Wohlmutserweg 2
87463 Dietmannsried
Tel. 0 83 74-80 81

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