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FLUGHAFEN MÜNCHEN

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Fotos: Horst Jahnke

Mit 1.000 PS und 12.500 Liter Löschwasser zum Training
Die Münchner Flughafenfeuerwehr übt den Ernstfall

Von Horst Jahnke
Die Szenerie ist einigermaßen surrealistisch: Vor uns einige verrostete Container, übereinander aufgestapelt, daneben das ausgebrannte Wrack eines Autos. Es handelt sich aber nicht um die Kulisse für einen Katastrophenfilm mit entsprechender Endzeitstimmung. Nein, wir sind schlicht auf dem Feuerwehrübungsplatz des Münchner Flughafens, einem umzäunten Gelände unweit der südlichen Start- und Landebahn, das über eine Schotterpiste zu erreichen ist.

Im Hintergrund die Silhouette des Airports in der Morgensonne, direkt vor unseren Augen starten und landen die Flugzeuge im Minutentakt. Hier in unmittelbarer Nähe der Runway üben die Männer der Flughafenfeuerwehr regelmäßig ihre Einsätze, proben unter realistischen Bedingungen die Brandbekämpfung in Gebäuden und retten Menschen aus großer Höhe. Oder sie trainieren am brennenden Flugzeug, denn mitten auf dem befestigten Übungsplatz steht ein riesiger Flugzeugrumpf - dunkelbraun, von Rost überzogen. Hier wurde der legendäre „Jumbo“ in Originalgröße nachgebaut und mit einigen technischen Raffinessen so ausgestattet, dass sehr realitätsnahe Feuerwehrübungen möglich sind. Die Feuerwehr des Münchner Flughafens spielt immer wieder unterschiedliche Szenarien durch und trainiert ihre Einsätze. An der beeindruckenden Flugzeug-Attrappe wird regelmäßig geprobt, damit im Ernstfall
jeder Handgriff sitzt.

Vor der eigentlichen Übung wird aber das Flugzeug zunächst einmal mit Wasser gekühlt. Über ein an der Außenhaut des Flugzeugs angebrachtes Leitungssystem wird die Maschine ordentlich abgebraust, damit die Struktur durch das später entfachte Feuer keinen Schaden erleidet. Der Ausbilder der Feuerwehrleute steuert den gesamten Ablauf der Übung und löst wie von Geisterhand den Brand aus - per Knopfdruck über eine mobile Fernbedienung. Im Kontrollraum überwacht der Operator das Geschehen. Verschiedene Brandherde am Flugzeug werden simuliert, vorinstallierte Leitungen liefern das Erdgas, das über ein Bedienpult aus der Ferne entzündet wird.

Lars Boehlkau, Hauptbrandmeister bei der Flughafenfeuerwehr, gibt das Signal, die Übung beginnt. Alarm! Hohe Flammen schlagen aus der Austrittsdüse des Triebwerks. Im Ernstfall würde jetzt jede Sekunde zählen, um die Passagiere des vollbesetzten Langstreckenflugzeugs zu retten. Es muss unbedingt verhindert werden, dass sich der Triebwerksbrand auf die Kabine des Flugzeugs ausbreitet, die Treibstofftanks könnten explodieren. Mit Blaulicht und hohem Tempo ist das Einsatzfahrzeug der Feuerwehr zur Stelle, nimmt in sicherer Entfernung zum Flugzeug seine Position ein. In Windeseile werden Feuerwehrschläuche ausgerollt und zusammengesteckt, dann der Angriff der Feuerwehrleute. Wasser Marsch! Die jungen Auszubildenden haben alles im Griff und binnen Sekunden ist der Brand gelöscht.

Das gleiche Szenario wird nochmals geprobt. Wieder brennt das Triebwerk, aber der Einsatz erfolgt dieses Mal mit einem der modernsten Großlöschfahrzeuge, die es derzeit gibt. Das Feuerwehrfahrzeug rast mit seinem 1000 PS starken Motor auf das Flugzeug zu. Sieben Selbstschutzdüsen versprühen Wasser, die das Einsatzfahrzeug vor den Flammen schützen, während das Feuer gleichzeitig mit einem Wasserwerfer vom Dach des Löschfahrzeugs aus gezielt bekämpft wird. 43 Tonnen wiegt der „Z 8 Snozzle“ des Herstellers Ziegler, 12.500 Liter Löschwasser hat das Fahrzeug mit Allradantrieb an Bord, das mittels eines 480 PS starken Pumpenmotors herausgeschleudert wird. Der Hauptwerfer spritzt bei einem Druck von 10 bar pro Minute 4.500 Liter heraus. Mit seinem gebündelten Strahl haben die Feuerwehrleute den Brand binnen Sekunden unter Kontrolle. Zusätzlich hätten sie noch 2 x 750 Liter Schaummittel dabei. Der Einsatz mit einem so leistungsstarken Gerät gäbe den Passagieren eine realistische Chance, dem Feuer zu entkommen.

Nochmals wird ein Alarm bei der Feuerwehr ausgelöst. Bei dieser Übung steht das Flugzeug in Vollbrand und die linke Tragfläche ist bereits abgebrochen. Eine Katastrophe, bei der im Ernstfall mit vielen Toten und Verletzten zu rechnen wäre. Mit hoher Geschwindigkeit fahren die Feuerwehrleute auf das brennende Flugzeug zu, in der Fahrzeugkabine steuert ein Feuerwehrmann das Löschfahrzeug, sein Kollege bedient schon während der Fahrt die Löschdüsen und richtet den Wasserstrahl direkt auf den Brandherd. Die Selbstschutzdüsen erlauben den Feuerwehrmännern, bis nahe an den Brand heranzufahren und durch den kraftvollen Wasserstrahl aus dem Hauptwerfer ist das Feuer schnell gelöscht.

Der Einsatzleiter Lars Boehlkau ist zufrieden, auch diese Übung wird erfolgreich absolviert. „Wir haben nach den internationalen Richtlinien 180 Sekunden, um mit unserem Einsatzfahrzeug jeden Punkt innerhalb des Start- und Landebahnsystems zu erreichen. Das ist sportlich, wenn man bedenkt, dass die Runways eine Länge von vier Kilometern haben. Bei so einem Einsatz zählt jede Sekunde, damit Passagiere dem Inferno entkommen können.“

Auch im Inneren des Flugzeugs üben die Feuerwehrleute regelmäßig mit Atemschutzmasken, um aus einer dunklen und völlig verrauchten Flugzeugkabine möglichst viele Menschen retten zu können. „Mit dem Feuerwehrübungsplatz sind wir bestens ausgestattet und können unter sehr realen Bedingungen unsere Einsätze proben. Damit sind wir gut vorbereitet, hoffen aber inständig, dass der Ernstfall bei uns niemals eintreten wird. Aber wir sind gewappnet -
24 Stunden am Tag und 365 Tage im Jahr“, sagt Lars Boehlkau von der Flughafenfeuerwehr.

MUC_Feuerwehr_DSC0323 Lars Boehlkau

Lars Boehlkau.

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