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Edelstahlhaus

Das Edelstahlhaus. Fotos: Ysabelle Sauer-Saaliste

Solingen, die Klingenstadt – Oldtimertreffen

Von Ysabelle Sauer-Saaliste, www.ysaluma.de
Wir haben uns nicht in unseren goldfarbenen Citroen-SM gesetzt, um zum diesjährigen Oldtimer-Treffen in der Klingenstadt Solingen zu fahren, sondern sind - wie fast immer - bei strahlendem Sonnenschein bequem mit dem Zug angereist.

Eine wunderschöne Strecke entlang des Rheins mit herrlichen Aussichten. Die unzähligen Burgen, die an Rheinufer Hügeln imposant in den Himmel strotzen, lassen erahnen, wie sehr dieser "Grenz"-fluss seit Jahrhunderten immer wieder umkämpft und verteidigt wurde. Vorbei an Geisenheim, wo in der Hochschule für Wein- und Gartenbau nahezu alle bedeutenden Winzer weltweit ausgebildet werden, den steilen Weinberghängen mit dem Anbau der berühmten und besten Rheingau-Riesling-Weine (sogar das englische Königshaus bezieht seine Weine von
hier), das romantische Städtchen Rüdesheim mit der bekannten schnuckeligen Drosselgasse. Hier wird der älteste deutsche Weinbrand, der "Asbach uralt" hergestellt und 1924 hat Hugo Asbach die Weinbrandpralinen erfunden, die vor allem bei den Damen reißenden Absatz gefunden haben und seit den 50er Jahren gibt es auch noch den köstlichen "Rüdesheimer Kaffee", eine Spezialität aus Kaffee, Asbach, Zucker und Sahne, angezündet mit einem langen Schwefelhölzchen - mmhh.

Weiter zieht der Rhein dahin und schlängelt sich mit gefährlichen Strömungen bei St. Goarshausen am Schieferfelsen der Loreley entlang. Wir passieren Koblenz, das Deutsche Eck, eine künstlich aufgeschüttete Landzunge an der Mündung der Mosel in den Vater Rhein. Remagen, mit der berühmten Ludendorff-Brücke (Film: Die Brücke von Remagen) Fragmente der Brückentürme stehen noch, und schließlich erreichen wir Köln, unseren Umsteigebahnhof. Herrlich, wie der Dom neben den Bahngleisen prangt!

In Solingen angekommen, empfängt uns ein dunstiger, wolkenverhangener Horizont, trüb und sanfte Regentropfen ploppen fast zärtlich auf das graue Pflaster herab. Unser Hotel, der Grafräther Hof, liegt etwas außerhalb, aber diese kleine Dorfgemeinschaft ist im 2. Weltkrieg komplett verschont geblieben und erstrahlt mit entzückenden Fachwerkhäusern, man meint, in der "guten alten Zeit" zu weilen. Wir treffen unsere Clubfreunde zu einem urigen Abendmahl im Klosterbräu, mit selbstgebrauten Bieren.

Am Samstagvormittag nehmen wir an einer Werksbesichtigung bei Carl Mertens teil, einer über die Landesgrenzen hinaus bekannten Besteckmanufaktur. Ich wusste gar nicht, wie viele und welche Arbeitsgänge notwendig sind, um ein gutes Besteck, ein wirklich schneidendes Messer oder einen mundgerechten, wohlgeformten Löffel herzustellen. Curt Mertens, der heute den Familienbetrieb (1919 gegründet) leitet, ist übrigens der einzige vereidigte Besteck-
Sachverständige in Deutschland. Er führte uns durch seine Werkshallen und erzählte humorvolle Geschichten über den Wandel der Tischkultur im Laufe der Zeit. Hier werden in handwerklich geprägter Fertigung eine große Palette an Produkten aus Edelstahl hergestellt - ich habe mir einige Accessoirs für die Tischdekoration gekauft, Kellen, Schalen, Messer - und mein Mann hat freudestrahlend sein Portemonnaie gezückt.

Im Auto-Konvoi sind wir zum Schaberger Bahnhof gefahren, der fast neben der Müngstener Brücke liegt. Sie ist mit 107 m die höchste Eisenbahnbrücke in Deutschland und überspannt das Tal der Wupper zwischen Solingen und Remscheid. Das Schaberger Bahnhof-Restaurant, mit eigenem Bahnsteig, ist ein urtümliches Lokal: holzvertäfelte Wände, ein Kachelofen, nett gedeckte Tische. Es erwartete uns eine typisch bergische Hausmannskost, ein 3-Gänge-Menü, die Portionen unverschlingbar groß.: Wurst-Käseschnittchen, selbst gebackenes Brot, das eigentlich aussah wie Marmorkuchen, aber himmlisch im Geschmack, saisonale Suppen (meine Tomatensuppe unübertrefflich gut), das Fleisch butterzart (vom Hörensagen, weil ich Vegetarierin bin), ich habe das Hauptgericht ausgelassen, weil ich schon viel zu satt war. Den Nachtisch konnte auch fast keiner mehr zu sich nehmen, wir waren pappsatt. Mit müden Augen und schlappem Körper schlurften wir zum Bahnsteig, um mit der Lokalbahn über die Müngstener Brücke nach Remscheid zu fahren.

Remscheid-Lennep: Das Deutsche Röntgenmuseum - Toll! Ein Denkmal des Physikers Wilhelm Conrad Röntgen steht gegenüber vom Eingang in das hochmoderne und sehr unterhaltsame Museum. Zur Erinnerung: W.C. Röntgen, der 1845 hier geboren ist, hat 1895 während seiner Tätigkeit als Physiker und Dozent an der Universität Würzburg diese unsichtbaren (später nach ihm benannten) Strahlen entdeckt, wofür er dann 1901 den Nobelpreis erhalten hat. Die Durchleuchtung oder Durchdringung des Körpers mittels der Röntgenstrahlen wurde in Bildern dargestellt, die als Röntgenbilder noch heute von Bedeutung sind. Beim Durchstreifen des Museums erfährt man viel über den Standard der Medizin, begonnen vor über 100 Jahren bis in die heutige Zeit.

Ein kurzer Fußmarsch durch den Ortsteil Lennep in Richtung Bahnhof gab uns einen guten Eindruck dieser Kleinstadt im Bergischen Land, mit mittelalterlicher Struktur, vor allem in der Altstadt. Hier dominiert die evangelische Stadtkirche nicht nur durch den imposanten Turm und das einzigartige Kirchenschiff mit hölzernen Hochbalkonen links und rechts, sondern auch durch das herrlich laute Glockenspiel - die Schläge vibrieren durch den ganzen Körper. Mir gefällt das so gut und schon fast vergessene Kindheitserinnerungen werden wach ...

Am Sonntag, endlich, ließ sich die Sonne immer öfter blicken, mit stoßweisen Windbrisen, die die Wolkenlandschaften sekundenschnell veränderten. Wir besuchten den Medienhafen in Düsseldorf - nicht nur für Architekten und Künstler ein wohliger und zugleich aufregender Augenerguss. Ich bin schier ausgeflippt ob dieser "verzauberten Zeit" (ein Bilderbuchtitel von mir). Ich konnte (und wollte) nur staunen. Unsere Stadtführerin lotste uns durch diese einmalige Hafenanlage, einen Medienhafen, der durch repräsentative kreative Architektur besticht. Ein Arbeitsrefugium - fantasievoll, futuristisch. Werbeagenturen, Künstler, Rundfunk, Presse, TV, alle Sparten sind vertreten in diesen attraktiven Büro- und Wohnquartieren, aber auch Arztpraxen, Kanzleien, Kontore.

Deutsche und internationale Architekten haben dieses Stadtteil geschaffen, das zwar modern und flott ist, aber seine ursprüngliche Hafenatmosphäre behalten hat: die denkmalgeschützten Lagerhallen wurden saniert, restauriert und mit modernstem IT- und Medienequipment ausgestattet. Besonders beeindruckt haben mich das Haus aus Edelstahl, das so utopisch in den Himmel glänzt und spiegelt mit seinen "verbeulten" runden Wänden (erinnerte mich an Danzig-Zoppot, das schiefe Haus), das Hyatt-Hotel mit seinen gläsernen Twin-Towers, das "Lego"-haus, wie es von den Düsseldorfern liebevoll genannt wird. Es sieht aus wie ein Kunstwerk des holländischen Malers Piet Mondrian. Auch der Akademie-Professor Günter Ücker, der mit seinen reliefartigen Nagelbildern berühmt geworden ist (in den 70er Jahren habe ich zum ersten seine Werke in einer Münchner Galerie bewundert) hat sein Atelier an diesem
Hafen, gleich bei der Medienbrücke, neben dem von Jörg Immendorf entworfenen Bau.

Nicht zu vergessen sind die exklusiven Restaurants, Cafés und Klubs mit qualitativ hochwertigen Produkten (meine Pommes Frites waren handgemacht und haben so gut geschmeckt, wie ich sie nur in Belgien gegessen habe), aber auch die innenarchitektonische Ausstattung - fantastisch - im wahrsten Sinne des Wortes.

Unseren Abschlussabend haben wir wieder im Klosterbräu verbracht, bei ausgezeichnetem Mehr-Gänge-Menü. Mein Zanderfilet auf Blattspinat - vorzüglich, der Tafelspitz ist meinem Mann auf der Zunge zergangen, die Grütze ging nicht mehr in mich hinein, ich habe schlapp gemacht. Aber mit einem hausgebrannten Bierschnaps haben wir dann den Abend beendet und uns allesamt verabschiedet bis zum nächsten Jahr in der Uckermark.

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Röntgenmuseum.

Verstrahlte Hand.

Verstrahlte Hand
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Besteckmusterformen.

Statue W.C. Röntgen.

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Maschinenwalze.

Zahnarztpraxis 60er Jahre.

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Krankentrage 1. Weltkrieg.

Häuser im Medienhafen.

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Medienhafen.

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Hyatt Hotel.

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