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ARCHIV
Schwangau - die Legende des heiligen St. Koloman
Das Münchner Geisterl und der Viktualienmark
Danzig – Reise in die einstige blühende Hanse- und Handelsstadt

Wien - nur du allein …
Das Jena-Wochenende
Ausstellung und Lesung in der Autorengalerie
´s Münchner Herz - Stars im Prinze

Panometer Leipzig.

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Kommandobrücke. Fotos: Ysabelle Sauer-Saaliste

Yadegar Asisi in Leipzig

Von Ysabelle Sauer-Saaliste, www.ysaluma.de
Wie üblich war es wieder mal kalt, "saukalt", wie der Bayer sagt, als wir in den Zug nach Leipzig gestiegen sind, von Dresden aus. Auch im Zug war es, im wahrsten Sinne des Wortes, zugig. Es war ja noch früh, 8 Uhr. Und wir wollten pünktlich um 10 Uhr am Eingang des Panometers in Leipzig stehen, zur Ausstellung "Titanic" von Yadegar
Asisi. Wer einmal Yadegar Asisis Monumentalwerke bestaunt hat, wird süchtig. Diese 360° Panoramabilder sind etwas Einmaliges. Man befindet sich mitten drin im Geschehen, im Bild selbst, das mit 100 m Umfang und 30 m Höhe
an Immensität besticht.

So haben wir in Dresden bereits "Dresden im Barock", eine Hommage an Canaletto, die Stadt im Zeitalter des Barock, mit Licht- und Schattenspielen äußerst lebendig, erlebt. Auch "Dresden 1945" war sehr beeindruckend. Das Panorama zeigte die Stadt nach den verheerenden Bombenangriffen, in Schutt und Asche, mit züngelnden Feuern überall und Rauch. Dazu in dröhnender Lautstärke die Originalgeräusche der Flieger und Einschläge am Boden. Von der 15 m hohen Aussichtsplattform im Innern des Rondells waren die Ausmaße der Zerstörungen vom einstigen Rathausturm aus zu sehen. In Berlin haben wir "Die Mauer" angeschaut, fantastisch und jede Szene greifbar nahe. Man meinte, direkt an der Mauer zu stehen, die Figuren schienen lebensecht und lebensgroß, fotorealistisch, eine perfekte Illusion der Geschichte dieser Stadt in den 80er Jahren, Maßstab 1.1.

Und nun "Titanic". Unsere Vorfreude war groß und berechtigt. Auf 100 m Länge und 37 m Höhe im Rund um das Panorama: "Titanic - die Versprechen der Moderne". Asisi thematisiert hier das tragische Ende des 1912 gesunkenen Passagierdampfers, der 1500 Menschen mit in den Tod gerissen hat, aber er fokussiert nicht das direkte Geschehen, den Untergang, sondern gibt dies als Beispiel für die Überheblichkeit des Menschen, der seit Menschengedenken die Gesetze der Schöpfung überflügeln will und sich und sein Schaffen darüber stellt: Die seinerzeit modernen technischen Errungenschaften im Wettstreit mit den Naturgewalten. Erklärt und gezeigt wird in der Zusatzausstellung außen rund um das innere Rund mit großen Rauminstallationen, Fotos und Filmen der Fortschrittsglauben um 1900, die grandiosen Ideen und Bauten, die seinerzeit daraus entstanden sind, in der Euphorie der Hochphase der Industrialisierung und des Stahlbaus, Stahl - als neuer Werkstoff für Verkehrsmittel, Hochhäuser (waren so erst möglich), Brücken und anderes technisches Equipment. An einer Ecke, kurz vor dem Eingang ins innere Rondell, ist ein kleiner Ausschnitt der äußeren Bordwand der Titanic nachgebaut, um das Größenverhältnis des gigantischen und damals als unsinkbar geltenden Schiffes zu erkennen.

Betritt man nun das Innere der Rotunde, ist man überwältigt von der Szene, die sich einem bietet: das gesunkene Schiff am Meeresgrund, 3800 m unter der Wasseroberfläche. Ein Lichtszenario wie bei einer echten Tiefsee-Expedition ermöglicht das Ausmaß des Unglücks ein wenig zu erkennen und zu verstehen. Man entdeckt rund um das Wrack am Meeresboden liegende Alltagsgegenstände, von Muscheln besiedelt, wie z.B. eine alte Arzttasche, Reisegepäckstücke oder Teile des Inventars. Ein Dampfkessel von etwa 57 t Gewicht (es waren 5 solcher kleinerer Kessel an Bord), ein Schornstein, dessen dünnes Stahlblech unter dem eigenen Gewicht längst verbogen ist, Gratinschalen, die mittlerweile geborgen worden sind oder ein Puppenkopf aus Porzellan. In der Mitte des Panometer-Raumes steht ein viereckiger Turm aus Stahl, mit mehreren Etagen, den man bis oben erklimmen kann. In jedem Stockwerk bietet sich ein anderer Winkel und Ausblick für den Betrachter auf das Wrack, und ganz oben hat man das Gefühl, neben der Kommandobrücke zu stehen. Geht man weiter rechts, ist dort das Vorschiff, der einstige Arbeitsbereich der Deckcrew, der für Passagiere nicht zugänglich war. Musikalische Untermalungen geben ein tristes Gefühl wider. Das Licht geht aus, die Dunkelheit des Meeresgrunds wird simuliert um dann mit Lichteffekten die Beleuchtung der Tauchlampen möglichst real zu improvisieren. Das Tauchboot des amerikanischen Marineforschungsinstitutes ist linker Hand zu sehen, angedockt am Wrack. Die Öffnung im Rumpf daneben entstand beim Untergang durch den Aufprall am Meeresboden und gibt einen Blick in eine Kabine frei.

Wir stehen ganz oben auf dem Besichtigungsturm und gehen immer wieder im Kreis herum. Von jedem Blickwinkel aus ist die räumlich in die Tiefe greifende und dreidimensional wirkende fotografisch angelegte Installation anders zu sehen, als wäre man selbst mitten drin, bei der Erkundung der Titanic. Kurz vor dem Ausgang gibt es noch einen kleinen Filmsaal, wie bei allen anderen Asisi-Panometern auch, wo die Arbeitsweise des Künstlers gezeigt wird, sein Atelier "die Denkerei" in Berlin, wie er seine Monumentalbilder mit Skizzen und Studien vor Ort beginnt, und wie seine Ideen technisch umgesetzt werden. Es fasziniert mich immer wieder, diese vielen Details wie in einem Wimmelbild zu entdecken und ich freue mich schon auf die nächste Yadegar-Asisi Ausstellung im Riesenrundbild-Format.

Yadegar-Asisi-Ausstellungen:
"Titanic" - Leipzig, Gasometer/Panometer bis Januar 2018
"Dresden im Barock" - Panometer Dresden 17.6. 17 - 7.1.18
"Dresden 1945" - Panometer Cresden 14.1.17 - 11.6.17
"Die Mauer" Berlin – Dauerausstellung
"Luther" - Wittenberg - seit 2016
"Rom 312" Gasometer Pforzheim
"Rouen1431" die Epoche Jeanne d`Arc, Rouen
"Amazonien" Panorama am Zoo, Hannover.

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Vergleich Bugwand.

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Bugwand.

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Vorschiff, Arbeitsbereich der Schiffscrew.

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Ladeluke für Fracht - und Passagiergepäck.

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Blick ins Innere- Öffnung im Rumpf.

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Tauchboot "Alwin", angekoppelt an der Schiffswand.

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"Vermessenheit".

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Signatur Yadegar Asisi.

Gepäckstück.


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Erste Frühlingsblüher mit Hummel.

Citroen DS.
Fotos: Ysabelle Sauer-Saaliste

Ausfahrt ins Isartal

Von Ysabelle Sauer-Saaliste, www.ysaluma.de
Wenn der Herr des Hauses frühmorgens die Frühstücksbrezen holen geht (beim Bäcker gleich nebenan), wir auf dem Balkon sitzend dem Vogeltrillern zuhören und unser Frühstück zu uns nehmen, die Sonne so schön warm vom Himmel brennt und in der Nase kitzelt, dass der Nachbar vom lauten Niesen aus dem Bett geschmissen wird, wenn der Herr seinen winterlich stillgelegten Oldtimer (einen Citroen DS aus den 60er Jahren) aus der Garage holt, diesen entstaubt und dann strahlend lächelnd vor die Haustür fährt und verkündet: „Heute wird eine Ausfahrt gemacht" - ja, dann ist der Frühling wirklich angekommen, hier bei uns.

Und so ist es am Sonntag gewesen, ein wunderbarer, milder, sonnenreicher Tag mit leichtem Ostwind, der dann zwischendurch doch noch erahnen ließ, dass dem Aufenthalt im Schatten noch zu weichen sei. Mein Mann lud mich und unseren Freund Robert zur ersten Ausfahrt ein und natürlich durfte ich entscheiden, wohin diese gehen soll. Und da ich schon des Öfteren als Mitfahrerin in einem Olds-Mobile mit diesem liegen geblieben bin, und das Autoanschieben oder auf den ADAC-Warten bestens kenne, habe ich eine kurze Strecke ausgesucht, im Raum von München. (Denn hier kann man notfalls das Auto stehen lassen und es am nächsten Tag abschleppen). Unser Ausflug führte uns vorbei an Harlaching und Grünwald ins Isartal, zum Brückenwirt. Im Sommer an heißen Tagen ist es ein Genuss, hier im schattigen Biergarten unter Kastanien zu sitzen, sich an der frischen Mass zu laben und den vorbeiziehenden Flößen zuzusehen, mit meist vollgedröhnten und lustigen Gesellen, die ihre Bierkrüge hin- und herschwenken zum „Prosit der Gemütlichkeit". Mein Mann hat seinen Wagen behutsam unter noch entlaubten Bäumen geparkt und es sich mit Literatur an einem sonnigen Plätzchen mit einer Halben bleifreiem Bier gemütlich gemacht, während wir beide uns zu einem Spaziergang entlang der Isar aufgemacht haben, in Richtung Buchenau.

Der erste Teil des Weges (übrigens auch eine Teiletappe des Jakobsweges) war stark von Radlern frequentiert, darum haben wir an der Kanalbrücke die Straße verlassen und sind direkt an der Isar auf schmalen Pfaden entlang marschiert und auch im Kiesbett selbst, wo die Steine aber ziemlich unbequem und spitz durch die Schuhsohlen gedrückt und gebohrt haben. Das war ein vorsommerbotenhaftes Gefühl, denn windstill war es fast richtig heiß. Natürlich habe ich das Lied von den Rittersleit vor mich hingeträllert und viele Strophen dazu erfunden (weil das gehört einfach zum Isartal), so dass der pudelnasse Hund, der aus dem leicht grünenden Gebüsch hervorgeschnellt ist, einfach abrupt stehengeblieben ist und mich durchdringend angestarrt hat, bevor er sich wieder seiner Wege verdrückt hat - dann lautes Pfeifen vom anderen Isarufer, gleich drauf ein lautes "Platsch, platsch", der Hund sauste halb springend, halb schwimmend durchs Wasser zu seinem Herrn hinüber. Wir schlenderten weiter unter tiefhängenden Ästen hindurch, bis es kein Weiterkommen mehr gab, und wir umkehren
mussten. Was haben wir es genossen, hier herum zu strolchen, gebückt unter Zweigen, die vom Winter gebeugt und abgebrochen waren, die teils zu skurrilen Gebilden geformt die Fantasie haben spielen lassen, an einigen Stellen tiefe Stille und die lauen Düfte der ersten Blüten, hier mancherorts unberührte Natur, dort ein kleiner Wiesentrampelpfad, sogar schon einige winzige Köttelspuren.

Rechter Hand zeigt sich über den Baumwipfeln hinweg die spätmittelalterliche Höhenburg "Burg Grünwald", die als Jagdschloss, Gefängnis und Pulvermagazin diente und heute ein Zweigmuseum der Archäologischen Staatssammlung beherbergt. Übrigens war ganz Bayern im Mittelalter eine Burgenlandschaft. Unzählige Bauten sind im Laufe der Jahrhunderte zu Ruinen verfallen oder dem Erdboden gleich gemacht worden. Im Westflügel der Burg gibt es eine Dauerausstellung über die 1000-jährige Geschichte von Grünwald von ihren Anfängen über das Mittelalter bis hin zu Karl Valentin, dessen berühmte "Bierhymne" als "Gschtanzl -Gesang" weltbekannt geworden ist. Er hat hier in der Burg seine "oiden Rittersleit" hausen lassen. Und auch Werke und Raritäten der Familie Ludwig (von) Schwanthaler sind hier verewigt, der berühmte bayrische Bildhauer, Professor an der Kunstakademie und Baumeister.

Da unser Weg direkt unten an der Isar und nicht am Mittelsteig zwischen Isarkanal und Isar entlang geführt hat, haben wir die kleine Füßgängerbrücke verpasst und dies erst bemerkt, als wir wieder auf dem offiziellen Wanderpfad auf dem Mittelstreifen über dem Huckerl rauf sind - gegenüber vom Brückenwirt. Uns blieb nichts anderes übrig, als diesen Pfad weiter zu gehen. Wir betrachteten die unterschiedlichsten Steinbrockengebilde und Inselformationen und Windungen der Isar, die zart gelbgrünen Weiden und Birken, brummelnde Hummeln und Bienen, die ihren Nektar aus den ersten Wiesenblümchen und Blüten heraussaugen, und von Blüte zu Blüte tänzeln, wir lauschten tschirpenden, singenden Vögeln, folgten mit unseren Blicken hurtig umherhuschenden Eichhörnchen und zwei spielenden Zitronenfaltern, die federngleich hin- und her-, hintereinander, nebeneinander und übereinander flogen, und träumten in diesem herrlichen Gefühl der leichten Fröhlichkeit vor uns hin.

Linker Hand erhebt sich am Hochufer in Pullach die Burg Schwaneck, von Schwanthaler erbaut, der sich damit einen Kindheitstraum erfüllt hat. Heute dient dieses Bauwerk als Jugendbildungsstätte und Jugendherberge. Wir wollten da hinauf. Am Floßwehr stapfen wir über die Brücke, am dicht bebauten Hochufer entlang, über die steilen, moosigen und abgebrochenen Treppenstufen den Hang empor, als Abkürzung quasi, und landen direkt beim hochmodernen stahlgebäudigem Bürgerhaus in Pullach, nahe dem alten Ortskern um den Kirchplatz. Vis-a-vis - das Cafe Dolce, mit dem besten Eis weit und breit, und einer riesenlangen Menschenschlange davor. Links der denkmalgeschützte "Rabenwirt", dessen Geschichte bereits 1852 begann, mit einer Bierzäpflerei für die Arbeiter der nahegelegenen Steinbrüche. Die bis zum Boden gläsern umbaute Terrasse schenkt einen großartigen, einmaligen Panorama-Ausblick über das Isartal. Die Stube innen ist holzvertäfelt, urig und "sau"gemütlich, so, wie wir Bayern sagen, und so wie unser Bayern halt auch ist.

Nach zweistündigem Marsch wurde hier eingekehrt und wir ließen uns kulinarisch mit
bayrisch-österreichischer Küche und Schmankerl verwöhnen, mit Forelle Müllerin Art, saftig, im Ganzen, wie man sie nur noch äußerst selten bekommt, Kasspatz´n mit Schmelz- und Röstzwiebeln, mit Bergkäse durchzogen, so dass sie beim Aufgabeln richtige Fäden ziehen, und ein Wiener Schnitzel, wie es früher Kaiser Franz Josef verzehrt haben mag, und wie es sonst nur in Österreich gebrutzelt werden kann. Es war ein Oldtimer-Ausflug mit perfektem Ausklang an einem gottgeschenkten Frühlingstag.

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An der Isar.

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Skurrile Baumformationen.

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Pfad am Isarhochufer.

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Moosiger Treppenaufgang in Pullach.

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Pullach.

Ausblick vom Rabenwirt.


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Sankt Martins Kirche. Fotos: Ysabelle Sauer-Saaliste

Frühlingsausflug nach Memmingen

Von Ysabelle Sauer-Saaliste, www.ysaluma.de
Sobald die Sonne scheint, zieht es jeden raus aus den winterlichen Gemächern. Die Menschen verlassen ihre verstaubten und eingeigelten Stuben, die noch nach winterlichen Genüssen duften oder dem unverkennbaren Geruch nach Sauerkrautdelikatessen und Grünkohlspeisen, die festlichen Bratendüfte, die sich in die Vorhänge eingesaugt haben und nun dem Frühjahrsputz harren.
Hier liegt noch eine mit Nelken gespickte Orange auf dem Dekorteller herum, dort noch ein Stück vergessener harter Weihnachtsstollen in Alufolie eingewickelt. Auch manche Plätzchendose ist noch nicht geleert und ein Tragerl Punsch, das aber bis zum nächsten Advent wohl verschlossen im Keller lagern kann. Dazu noch original verpackte Lebkuchenpäckchen nehmen im Schrank den spärlichen Platz in Beschlag und Tüten prall voll mit Erd- und Walnüssen. Von den vielen Mon Cheri-Pralinen ganz zu schweigen - die Lieblingssüßigkeit des Winters, neben Weinbrandbohnen und den mit Alkohol gefüllten und mit Nüssen überkrusteten Obstbrandpralinen. Die guten Wintervorräte für die gemütlichen Abende bei Kerzenschein und Glühwein. Man hat sich ja beizeiten eingedeckt, denn keiner weiß, wie lang so ein Wintermärchen dauern kann, wenn der Schnee noch blütenweiß glitzert und noch nicht vom Matsch zerfressen in trostloses Grau verwandelt wird. Die kunstpelzgefütterten Winterstiefel blockieren im Schuhschrank noch den Platz für die Halbschuhe und Pumps, die in Umzugskartons im Keller lagern und auf ihr erstes Frühlingsausgehen lauern. Die dicken Winterpullover stapeln sich derzeit im vorderen Bereich des Kleiderschranks, und die selbst gestrickten Schals aus dicker Wolle mit den passenden Handschuhen dazu.

Ganz zaghaft räumt man um, also, die warmen Teile nach hinten und die etwas dünneren Baumwoll-Shirts und Jäckchen nach vorn. Selbstverständlich wird auch der im Schlussverkauf ergatterte neue Wickelrock aus feiner Seide, eigentlich ein Kleidungsstück, das eher für den Sommer gedacht, aber, weil es neu ist und auf sein erstes Ausgeführtwerden wartet, in die erste Reihe gehängt. Die Wintersocken wandern in die unterste Schublade, die feinen Strumpfhosen hingegen in greifbarere Nähe. Wir sind gewappnet für den Frühlingssonnenschein mit seinen wärmenden Strahlen und erwartungsvoll blicken wir in den blauen Horizont, der noch mit einigen Wölkchen zu kämpfen hat. Die Vögel zwitschern bereits in der Früh, die Krähen krakeelen um die Wette. Wir werden geweckt mit zarten und weniger leisen Tonfolgen und geträllerten Liedern - ja der Frühling ist da. Zarte grüne, noch winzige Knöspchen drängen an braunen, kahlen Ästen hervor, das Gänseblümchen sprießt mit dem Krokus aus dem Gras, Schneeglöckchen stehen in voller Pracht, Winterlinge machen sich mattenartig auf den Wiesen breit, und sogar ein Schlüsselblümchen hat sich aus der verschlafenen Erde hervor getraut.

An einem solchen Tag hat es auch uns aus unserem Pfuhl hinausgezogen. Natürlich nicht mehr mit Wintermantel und Mütze, sondern der Frühjahrsmode angepasst, mit flachen Pumps und dünnem Rock, leichtem Seidentuch und passendem Blazer dazu. Die Herren haben sich in Schale geworfen, das Sakko leger und vorne nicht zugeknöpft, darunter das Leinenhemd, natürlich ohne Unterhemd getragen, ein baumwollner Schal lässig um den Hals geschlungen. So sind wir in den Zug gestiegen und haben einen Ausflug gemacht, nach Memmingen. Dort angekommen hat uns der Wind gleich mal die Leviten gelesen. Um überhaupt dem Bahnhof zu entkommen, mussten wir durch die zugluftträchtige Unterführung gehen, was uns bereits hier die Frosthärchen an Armen und Beinen hochstehen ließ. Gott sei Dank gab es im Bahnhof eine Aufwärmmöglichkeit und bevor wir in die Altstadt gebummelt sind, haben wir uns mit heißem Cappuccino von innen etwas Wärme zugeführt.

Der Weg durch die Salzgasse, die bereits seit dem frühen Mittelalter besteht, seinerzeit als Verkehrsknotenpunkt und Handelsweg vom Norden nach Italien aber auch als Pilgerpfad, der die frommen Wallfahrer bis nach Santiago di Compostela in Spanien brachte (2406 km). Fasziniert bestaunten wir die herrlichen Fachwerkbauten und auf dem Weg zum Marktplatz kamen wir am Storchenhaus vorbei. Oben auf dem Turmkamin räkelt sich doch tatsächlich ein Storch in der Sonne, schlägt ein paar Mal mit seinen Flügeln und hockt sich wieder gemütlich in sein Nest, um die glänzenden Sonnenstrahlen zu genießen. Was wir auch gerne täten, aber wir stehen im kühlen Schatten der winddurchblasenen Gassen und mit jedem Durchzug läuft ein Fröstelschauer durch Mark und Bein und raubt die noch vormittags aufkeimenden Frühlingsgefühle fort.

Das Rathaus, im Rokokostil erbaut, liegt zur rechten Hand und reflektiert das Sonnenlicht. Davor der Brunnen am Marktplatz, der auch so heißt. Daneben erstrahlt in rostrot das Zunfthaus, das ursprünglich 1453 erbaut worden ist, als erste Trinkstube für die reichen Kaufleute. Nach ihrem Abbruch wurde es neu errichtet, Anfang des 18. Jahrhunderts. Auf der anderen Seite wurden beim Neubau des Steuerhauses (1494/95) Krämerläden in die Arkaden integriert. Hier hatten der Geheime Rat und die Finanzverwaltung ihren Sitz. Am Ende des Marktes steht eine blaue Säule, von den Memmingern liebevoll "die blaue Saul" genannt. Sie hat nicht als Pranger gedient, wie ursprünglich angenommen. Sie zählt zu den "sieben Wahrzeichen" (sie galten früher als Beweis, dass die Gesellen der verschiedenen Zünfte ihre Lehrzeit absolviert hatten) der Stadt, die der Legende nach in der Biedermeierzeit angesiedelt ist. Ein betrunkener Ratsherr war mit seinem Büttel (Gerichtsdiener)auf dem Weg nach Hause, als sie den Nachtwächter hörten. Der Büttel lehnte den "blauen" Ratsherrn an die Säule und ging vorweg, um den Nachtwächter abzulenken. Als er zurückkam, um seinen Herrn abzuholen, hatte sein blauer Zustand die Säule blau eingefärbt. Zur Linken befindet sich die berühmte Sankt-Martins-Kirche. Der Legende nach wurde mit dem Bau der Kirche um 926 begonnen. Bis ins 15. Jahrhundert wurde in der Kirche eine geschändete Hostie verehrt. An diesem Bau lassen sich mehrere Bauabschnitte ablesen. Zweimal haben wir auf der Suche nach dem Eingang die Kirche umrundet, allerdings war sie wegen Renovierungsarbeiten geschlossen. Auch das Stadtmuseum, in das wir wegen der Kälte flüchten wollten, hatte zu.

Ausgefroren und mit klammen Fingern machte es keinen Spaß mehr, Fotos zu knipsen und im unhandlichen Stadtführer zu lesen, und so haben wir uns in das nächstbeste Cafe gesetzt und einen Hugo und heißen Grog getrunken. Durch das Fenster konnten wir das Flanierpublikum betrachten, spielenden Kindern bei Hüpfspielen zusehen und gurrende Tauben beim Balzen beobachten. Wir haben die Zeit in dem warmen Kaffeehaus sehr hinausgezogen. Als wir wieder draußen standen, sind wir zum Hexenturm marschiert, der als ältester von drei Gefängnistürmen (Folterturm und Diebesturm) zu den frühesten Befestigungsbauten der Stadt gehört. Wir sind der Beschilderung auf dem "grünen Weg" gefolgt, durch das Stadttor hindurch und außen herum am kleinen Park vorbei und an einem Stück der alten Stadtmauer. Auf der Wiese haben Amseln nach Futter gepickt, die Meise trug bereits "Baumaterial" für das Nesterl im Schnabel. Von den immergrünen Büschen heraus war Getschilpe und Tirilieren zu
vernehmen - es frühlingt, und wie.

Bloß - die Windattacken ließen meine Finger gelb werden, meine Zehen waren nicht mehr zu spüren, die Ohren schon längst nicht mehr und langsam kam Zähneklappern hinzu. "Hätte ich bloß einen warmen Schal dabei ..., Hätte ich bloß meine Stiefel angezogen ... Hätte ich bloß meine Winterjacke mit ..." - so deppert kann man sein. Kein Souvenirladen hatte geöffnet bzw. es war auch keiner da, um eventuell etwas Warmes, wie wenigstens ein Pashminatuch, zu erstehen. Aber ein weiteres Cafe, wo wir ganz schnell ein warmes Plätzchen ergattern
konnten, um dann ein lauschiges Bierchen und ein Glas Rotwein zu schlürfen. Die Sonne hat sich nun auch langsam hinter langen Schatten verzogen und so nahmen wir die letzte Etappe zum Bahnhof in Angriff, der Weg war nicht mehr weit, und eigenartigerweise wehte in dieser Straße auch kaum Wind.

Was waren wir froh, als wir wieder im Zug nach München saßen, schön warm war’s. Und immerhin haben wir den ersten Frühlingssonntag genossen, bei einem Ausflug in Memmingen, auch wenn es nur drei Stunden waren. Aber es ist unvergesslich. Und vom blauen Himmel und Sonnenschein im Lenz lassen wir uns so schnell nicht mehr hinters Licht führen.

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Storchenhaus.

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Wegweiser Santiago di Compostela.

Stadtmauer mit Tor.

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Zunfthaus.

Rathaus.

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Der Einlass (Stadttor um 1450).

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Park.

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Am Einlass.

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