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Sankt Martins Kirche. Fotos: Ysabelle Sauer-Saaliste

Tagebuch von Ysabelle Sauer-Saaliste exklusiv bei isarbote.de
Frühlingsausflug nach Memmingen

Von Ysabelle Sauer-Saaliste, www.ysaluma.de
Sobald die Sonne scheint, zieht es jeden raus aus den winterlichen Gemächern. Die Menschen verlassen ihre verstaubten und eingeigelten Stuben, die noch nach winterlichen Genüssen duften oder dem unverkennbaren Geruch nach Sauerkrautdelikatessen und Grünkohlspeisen, die festlichen Bratendüfte, die sich in die Vorhänge eingesaugt haben und nun dem Frühjahrsputz harren.
Hier liegt noch eine mit Nelken gespickte Orange auf dem Dekorteller herum, dort noch ein Stück vergessener harter Weihnachtsstollen in Alufolie eingewickelt. Auch manche Plätzchendose ist noch nicht geleert und ein Tragerl Punsch, das aber bis zum nächsten Advent wohl verschlossen im Keller lagern kann. Dazu noch original verpackte Lebkuchenpäckchen nehmen im Schrank den spärlichen Platz in Beschlag und Tüten prall voll mit Erd- und Walnüssen. Von den vielen Mon Cheri-Pralinen ganz zu schweigen - die Lieblingssüßigkeit des Winters, neben Weinbrandbohnen und den mit Alkohol gefüllten und mit Nüssen überkrusteten Obstbrandpralinen. Die guten Wintervorräte für die gemütlichen Abende bei Kerzenschein und Glühwein. Man hat sich ja beizeiten eingedeckt, denn keiner weiß, wie lang so ein Wintermärchen dauern kann, wenn der Schnee noch blütenweiß glitzert und noch nicht vom Matsch zerfressen in trostloses Grau verwandelt wird. Die kunstpelzgefütterten Winterstiefel blockieren im Schuhschrank noch den Platz für die Halbschuhe und Pumps, die in Umzugskartons im Keller lagern und auf ihr erstes Frühlingsausgehen lauern. Die dicken Winterpullover stapeln sich derzeit im vorderen Bereich des Kleiderschranks, und die selbst gestrickten Schals aus dicker Wolle mit den passenden Handschuhen dazu.

Ganz zaghaft räumt man um, also, die warmen Teile nach hinten und die etwas dünneren Baumwoll-Shirts und Jäckchen nach vorn. Selbstverständlich wird auch der im Schlussverkauf ergatterte neue Wickelrock aus feiner Seide, eigentlich ein Kleidungsstück, das eher für den Sommer gedacht, aber, weil es neu ist und auf sein erstes Ausgeführtwerden wartet, in die erste Reihe gehängt. Die Wintersocken wandern in die unterste Schublade, die feinen Strumpfhosen hingegen in greifbarere Nähe. Wir sind gewappnet für den Frühlingssonnenschein mit seinen wärmenden Strahlen und erwartungsvoll blicken wir in den blauen Horizont, der noch mit einigen Wölkchen zu kämpfen hat. Die Vögel zwitschern bereits in der Früh, die Krähen krakeelen um die Wette. Wir werden geweckt mit zarten und weniger leisen Tonfolgen und geträllerten Liedern - ja der Frühling ist da. Zarte grüne, noch winzige Knöspchen drängen an braunen, kahlen Ästen hervor, das Gänseblümchen sprießt mit dem Krokus aus dem Gras, Schneeglöckchen stehen in voller Pracht, Winterlinge machen sich mattenartig auf den Wiesen breit, und sogar ein Schlüsselblümchen hat sich aus der verschlafenen Erde hervor getraut.

An einem solchen Tag hat es auch uns aus unserem Pfuhl hinausgezogen. Natürlich nicht mehr mit Wintermantel und Mütze, sondern der Frühjahrsmode angepasst, mit flachen Pumps und dünnem Rock, leichtem Seidentuch und passendem Blazer dazu. Die Herren haben sich in Schale geworfen, das Sakko leger und vorne nicht zugeknöpft, darunter das Leinenhemd, natürlich ohne Unterhemd getragen, ein baumwollner Schal lässig um den Hals geschlungen. So sind wir in den Zug gestiegen und haben einen Ausflug gemacht, nach Memmingen. Dort angekommen hat uns der Wind gleich mal die Leviten gelesen. Um überhaupt dem Bahnhof zu entkommen, mussten wir durch die zugluftträchtige Unterführung gehen, was uns bereits hier die Frosthärchen an Armen und Beinen hochstehen ließ. Gott sei Dank gab es im Bahnhof eine Aufwärmmöglichkeit und bevor wir in die Altstadt gebummelt sind, haben wir uns mit heißem Cappuccino von innen etwas Wärme zugeführt.

Der Weg durch die Salzgasse, die bereits seit dem frühen Mittelalter besteht, seinerzeit als Verkehrsknotenpunkt und Handelsweg vom Norden nach Italien aber auch als Pilgerpfad, der die frommen Wallfahrer bis nach Santiago di Compostela in Spanien brachte (2406 km). Fasziniert bestaunten wir die herrlichen Fachwerkbauten und auf dem Weg zum Marktplatz kamen wir am Storchenhaus vorbei. Oben auf dem Turmkamin räkelt sich doch tatsächlich ein Storch in der Sonne, schlägt ein paar Mal mit seinen Flügeln und hockt sich wieder gemütlich in sein Nest, um die glänzenden Sonnenstrahlen zu genießen. Was wir auch gerne täten, aber wir stehen im kühlen Schatten der winddurchblasenen Gassen und mit jedem Durchzug läuft ein Fröstelschauer durch Mark und Bein und raubt die noch vormittags aufkeimenden Frühlingsgefühle fort.

Das Rathaus, im Rokokostil erbaut, liegt zur rechten Hand und reflektiert das Sonnenlicht. Davor der Brunnen am Marktplatz, der auch so heißt. Daneben erstrahlt in rostrot das Zunfthaus, das ursprünglich 1453 erbaut worden ist, als erste Trinkstube für die reichen Kaufleute. Nach ihrem Abbruch wurde es neu errichtet, Anfang des 18. Jahrhunderts. Auf der anderen Seite wurden beim Neubau des Steuerhauses (1494/95) Krämerläden in die Arkaden integriert. Hier hatten der Geheime Rat und die Finanzverwaltung ihren Sitz. Am Ende des Marktes steht eine blaue Säule, von den Memmingern liebevoll "die blaue Saul" genannt. Sie hat nicht als Pranger gedient, wie ursprünglich angenommen. Sie zählt zu den "sieben Wahrzeichen" (sie galten früher als Beweis, dass die Gesellen der verschiedenen Zünfte ihre Lehrzeit absolviert hatten) der Stadt, die der Legende nach in der Biedermeierzeit angesiedelt ist. Ein betrunkener Ratsherr war mit seinem Büttel (Gerichtsdiener)auf dem Weg nach Hause, als sie den Nachtwächter hörten. Der Büttel lehnte den "blauen" Ratsherrn an die Säule und ging vorweg, um den Nachtwächter abzulenken. Als er zurückkam, um seinen Herrn abzuholen, hatte sein blauer Zustand die Säule blau eingefärbt. Zur Linken befindet sich die berühmte Sankt-Martins-Kirche. Der Legende nach wurde mit dem Bau der Kirche um 926 begonnen. Bis ins 15. Jahrhundert wurde in der Kirche eine geschändete Hostie verehrt. An diesem Bau lassen sich mehrere Bauabschnitte ablesen. Zweimal haben wir auf der Suche nach dem Eingang die Kirche umrundet, allerdings war sie wegen Renovierungsarbeiten geschlossen. Auch das Stadtmuseum, in das wir wegen der Kälte flüchten wollten, hatte zu.

Ausgefroren und mit klammen Fingern machte es keinen Spaß mehr, Fotos zu knipsen und im unhandlichen Stadtführer zu lesen, und so haben wir uns in das nächstbeste Cafe gesetzt und einen Hugo und heißen Grog getrunken. Durch das Fenster konnten wir das Flanierpublikum betrachten, spielenden Kindern bei Hüpfspielen zusehen und gurrende Tauben beim Balzen beobachten. Wir haben die Zeit in dem warmen Kaffeehaus sehr hinausgezogen. Als wir wieder draußen standen, sind wir zum Hexenturm marschiert, der als ältester von drei Gefängnistürmen (Folterturm und Diebesturm) zu den frühesten Befestigungsbauten der Stadt gehört. Wir sind der Beschilderung auf dem "grünen Weg" gefolgt, durch das Stadttor hindurch und außen herum am kleinen Park vorbei und an einem Stück der alten Stadtmauer. Auf der Wiese haben Amseln nach Futter gepickt, die Meise trug bereits "Baumaterial" für das Nesterl im Schnabel. Von den immergrünen Büschen heraus war Getschilpe und Tirilieren zu
vernehmen - es frühlingt, und wie.

Bloß - die Windattacken ließen meine Finger gelb werden, meine Zehen waren nicht mehr zu spüren, die Ohren schon längst nicht mehr und langsam kam Zähneklappern hinzu. "Hätte ich bloß einen warmen Schal dabei ..., Hätte ich bloß meine Stiefel angezogen ... Hätte ich bloß meine Winterjacke mit ..." - so deppert kann man sein. Kein Souvenirladen hatte geöffnet bzw. es war auch keiner da, um eventuell etwas Warmes, wie wenigstens ein Pashminatuch, zu erstehen. Aber ein weiteres Cafe, wo wir ganz schnell ein warmes Plätzchen ergattern
konnten, um dann ein lauschiges Bierchen und ein Glas Rotwein zu schlürfen. Die Sonne hat sich nun auch langsam hinter langen Schatten verzogen und so nahmen wir die letzte Etappe zum Bahnhof in Angriff, der Weg war nicht mehr weit, und eigenartigerweise wehte in dieser Straße auch kaum Wind.

Was waren wir froh, als wir wieder im Zug nach München saßen, schön warm war’s. Und immerhin haben wir den ersten Frühlingssonntag genossen, bei einem Ausflug in Memmingen, auch wenn es nur drei Stunden waren. Aber es ist unvergesslich. Und vom blauen Himmel und Sonnenschein im Lenz lassen wir uns so schnell nicht mehr hinters Licht führen.

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Storchenhaus.

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Wegweiser Santiago di Compostela.

Stadtmauer mit Tor.

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Zunfthaus.

Rathaus.

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Der Einlass (Stadttor um 1450).

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Park.

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Am Einlass.

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