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Neuschwanstein.
Fotos: Ysabelle Sauer-Saaliste

Füssen - König Ludwig II - unser Kini

Von Ysabelle Sauer-Saaliste, www.ysaluma.de
Jedes Jahr im Sommer ist Ski-Radl-Freundetreffen, Freunde aus der Ski-Herren-
Gruppe meines Mannes. Seit gut 30 Jahren sausen die Herren die Hänge und Pisten hinab und mit zunehmendem Alter hat sich der eine oder andere mehr oder weniger schlimm verletzt. Im Sommer durften wir Frauen dann mit, zum Sommer-Radeln-
Treffen. So waren wir sportlich aktiv unterwegs, haben herrliche Touren gemacht, bis auch hier sich die Unfälle gemehrt hatten, zum Teil mit schlimmen Folgen. Vor einigen Jahren haben wir dann beschlossen, den Sommersport zu lassen, dafür verabreden wir uns dann irgendwo in Deutschland in einer Stadt und besichtigen diese und genießen Kultur pur, die köstlichen Speisen der regionalen Küchen und die meist weinlastigen lustigen Gesprächsabende. Heuer haben mein Mann und ich dieses Treffen ausgerichtet und zwar in Füssen, meiner Lieblingsstadt im Bayerischen Land und sozusagen mittlerweile auch meine zweite Heimat - hier fühle ich
mich einfach wohl.

Und der liebe Petrus hat uns auch einwandfreies Wetter präsentiert. Als wir allerdings zum Schloss Neuschwanstein raufgefahren sind und ein Stückchen weiter oben die seit acht Monaten neu restaurierte Marienbrücke, die über die Pöllatschlucht führt, betrachtet haben, da mussten wir unsere Regenschirme aufmachen und die Regentropfen platschten ziemlich heftig als kurzer Schauer auf uns herab. Einige "Schwindelfreie" haben sich auf die Brücke getraut und die, auf mich unheimlich wirkende, Schlucht überquert - der Blick auf das Schloss ist von hier aus einmalig schön - ich aber nicht, weil es in meinen Kniekehlen gekribbelt hat und meine Beine sich wie Pudding angefühlt haben. Dann hat es schlagartig zum Regnen aufgehört und um punkt zwölf Uhr schickte die Sonne ihre goldenen Strahlen auf uns herab.

Von der Marienbrücke zum Schloss sind es nur ein paar Schritte, mit fantastischen Aussichtspunkten über das Allgäuer Land, die Berge und Seen und Schloss Hohenschwangau, das elterliche Schloss Ludwigs, wo er von seinem Zimmer aus die Vorder- und Hinter-Hohenschwangauer Burgruine im Auge hatte, das er später zu seinem Märchenschloss (Neu)Schwanstein bauen ließ. Leider hat er das Bauende nicht mehr miterleben können. Ludwig, der Märchenkönig, der Monarch, der Mensch! Wie viele Bücher wurden schon über ihn veröffentlicht - unser Lieblingsbuch aber ist und bleibt "Ludwig, lieber Ludwig - ein Versuch über Bayerns Märchenkönig" von Horst Krüger, der zugleich von meinem Mann und mir unser hoch favorisierter Schriftsteller ist. In seinem Roman "Das zerbrochene Haus - eine Jugend in Deutschland" hat er seine Jugend zur Zeit des Dritten Reichs verarbeitet, als impressionistischer Reiseschriftsteller erzählt er in "die Frühlingsreise" wie der Frühling von Portugal aus nach Norden wandert, über die Provence. Alle seine Werke dürfen wir unser eigen nennen, leider gibt es diese nur noch antiquarisch zu beziehen.

Wenn man bedenkt, dass im Hause des Königs Max II. und seiner Frau, Königin Marie, strengste Erziehungsmaßnahmen galten, die Söhne Ludwig und Otto sich zum Beispiel nicht satt essen durften und zeitweise sogar hungern mussten (die alte Zimmermagd Liesl hat Ludwig heimlich Reste ihres Essens zugesteckt) oder Ludwig vom Vater verprügelt wurde, Lieblosigkeit oder Liebesentzug zum Erziehungsdrill gehörte, kann man in etwa ermessen, wie der sensible Ludwig aufgewachsen ist. Das Wort "Liebe" durfte in dem strengen Hause nicht ausgesprochen werden. Wenn der Schriftsteller Paul Heyse oder der Dichter Hermann Lingg zum Vorlesen zur königlichen Familie geladen wurden, durften diese nur Texte vortragen, in denen das Wort "Liebe" nicht vorkam, aber auch Liebesgedichte waren nicht erlaubt. Durch diese Kindheit war Ludwig zu einem einsamen und in sich gekehrten Menschen geworden, der seine Sehnsüchte nach Freundschaft und Liebe allein in seinem Herzen trug. Er hatte viel gezeichnet, sich technische Erfindungen ausgedacht, Skizzen von Burgen und Schlössern angefertigt, mit Bauklötzen fantastische Anlagen gebaut - eigentlich wäre sein Traumberuf wohl der eines Architekten gewesen. Was "Geld" ist, wie "Geld" aussieht, was "Geld" bedeutet war Ludwig nicht beigebracht worden. Seine erste Geldbörse bekam er von seinem Vater zum 18. Geburtstag geschenkt, mit je einer der gängigen Münzen darin. Heinz Gebhard schreibt, damit wollte Ludwig beim Hofjuwelier verschiedenste Pretiosen kaufen, als Geschenk für seine Mutter Marie ( doch das Geld reichte nicht). Knapp acht Monate später nach dem Tod seines Vaters wurde Ludwig, der schöne Jüngling, "im Herzen rein und unverdorben", zum König gekrönt - erfahrungslos im Umgang mit Geld, Militär, Finanz- und Wirtschaftsfragen - und Menschenkenntnis besaß er auch keine.

Ich stehe vor seinem Schloss, Neuschwanstein, imposant, verträumt, heroisch, verspielt - gegensätzliche Gefühle und Gedanken durchfluten mich. Bei der Führung durch das Schloss verfalle auch ich in Träumereien und fantasiere mich in Ludwigs Zeit hinein. Unbeschreiblich schön, aber auch sehr, sehr duster ist es hier drinnen. Der damaligen Zeit weit voraus ist hier im Schlossinneren modernste Technik zu finden, wie zum Beispiel eine batteriebetriebene Klingelanlage, fließend Wasser, eine Toilette mit automatischer Spülung (unter König Ludwig wurde der erste " Lehrstuhl für Hygiene" eingerichtet), ein erstes Telefon von Siemens, das allerdings nur bis Hohenschwangau reichte und im Cafe, beim Ausgang , sieht man die gusseisernen Doppel-T-Träger (nicht wie seinerzeit üblich aus Stein), zur besseren Gewichtsverteilung des darüber liegenden Thronsaales. Ludwig II war mit Hilfe von Fachliteratur technisch stets auf dem neuesten Stand.

Die Wandgemälde spiegeln Szenen aus alten deutschen und nordischen Sagen, jedes Zimmer eine andere Mär, von Kriemhild über Motiven aus Bühnenbildern von "Tannhäuser" und "Lohengrin", in meinem Innern vernehme ich die Musik von Richard Wagner, wobei mir da einfällt, dass dieser ja niemals in diesem Schloss hier war, nur in Schwangau, wo in Ludwigs Zimmer auch das Piano steht, auf dem Wagner seinerzeit komponiert und gespielt hatte und sich von seiner Majestät bewundern (und hofieren) ließ. Wagner - Ludwigs große Liebe? Ludwig hatte ein Faible für das Mittelalter und alles, was mit Ritterburgen und Festungen zusammenhing. So hat er beispielsweise seinen "Sängersaal" dem der Wartburg nachempfunden, allerdings größer und prächtiger als das Original, diesen aber nicht für Feste oder Vorstellungen genutzt - nur für sich allein. Einen Wohnraum (Kabinett) ließ er zu einer kleinen künstlichen Grotte ausbauen, mit farbiger elektrischer Beleuchtung und einem echten Wasserfall, ein zauberhafter Miniwintergarten mit grandiosem Panoramablick würde auch heute gerne zum Verweilen einladen, ist aber nur für die Geister des Schlosses erlaubt. Für die Blaue Grotte wollte Ludwig ein ganz bestimmtes Blau haben, ein blaueres Blau, ein königsblaues Indigoblau, und beauftragte nach vielen Fehlversuchen (auch das Erfurter waidblaue Indigo fand seine Gnade nicht) die badische Anilin- und Sodafabrik (BASF) dafür. Diese stellten ein künstliches Indigoblau her, das den König befriedigt hat. Ohne "den beharrlichen Wunsch des Königs, gäbe es heute wohl keine Blue Jeans", denn für die Färbung seiner Baumwollhosen bestellte Levi Strauss eben jene Farbe bei BASF, die das künstliche Indigoblau sieben Jahre nach Ludwigs Tod zum Patent angemeldet hatten.

Wir werden relativ schnell durch das Schloss geschleust, im Fünf-Minutentakt darf jede Gruppe ehrfürchtig durch diese Gänge schreiten, erst allerdings eine ewig lange Wendeltreppe (die Dienstbotengänge) in einem der Türme hinauf und dann auf der anderen Seite wieder ellenlang hinab. Zwischendurch kann man einen schnellen Blick durch die Fensterluken werfen und die Landschaftseindrücke in ihren wechselnden Panoramen aufsaugen, die Marienbrücke in sonst nicht einsehbarem Winkel, die tiefe, geheimnisumwitterte Pöllatschlucht mit rauschendem Wasserfall, das Schloss Hohenschwangau mit Blick in Ludwigs Zimmer, in dem noch immer sein Fernrohr steht, mit dem er im Nachthimmel mit den Sternen träumte, den Schlosshof von Neuschwanstein, das Torhaus, in dem Ludwig seinerzeit lebte und den Bau seines majestätischen Baus überblicken konnte, den Alpsee, auf dem Ihre Majestät nachts mit dem Nymphenschlitten über den zugefrorenen und verschneiten See kutschiert wurde, den Tegelberg und all die anderen Hügel, auf die er gewandert war - ein Einblick in die Gefühlswelt des "Kini", so kam es mir vor, wie eine kleine Reise durch sein Leben, hautnah - ich sehe heute das selbe, was Ludwig vor gut 150 Jahren gesehen hat, mich fröstelt es bei diesem Gedanken.

Ein Spazierweg führt uns nach Schwangau hinunter, wir schauen noch eimal rauf zu den Schlössern, dann rüber zum Säuling und dem Tegelberg. Ludwigs Mutter, Königin Marie, war eine begeisterte Bergsteigerin und ist sehr oft und viel gerade hier in dieser Bergwelt gewandert. Sie hat unter ihrem königlichen Kleid eine Wanderhose getragen, sie selbst hat diese erfunden, so konnte sie auf den steilen Hängen herumkraxeln. Auch auf dem Rundweg um den Alpsee ist ein "Marienstein", ein Denkmal für sie, gesetzt. Die Marienbrücke, die früher ein Steg aus Holzplanken war (man musste absolut schwindelfrei sein, um darüber zu gehen) und heute eine von Ludwig II entworfene innovative Stahlkonstruktion ist, trägt ihren Namen und diverse Pfade und Steige in dieser Umgebung auch. Noch heute geht die 14 km lange Tegelbergrunde auf sie zurück.

Im "Museum der bayrischen Könige" in Schwangau, welches ausgesprochen sehenswert ist, erhält man einen guten Überblick über die Herrscher in Bayern, das Haus Wittelsbach und viele Impressionen aus dem Leben von König Ludwig. Mir persönlich gefällt eine Präsentation am besten: König Ludwigs indigoblauer Prachtmantel mit Hermelin besetzt (daran erkennt man besonders gut seine körperliche Größe - 193 cm), man sitzt auf einer Bank davor und kann per Kopfhörer Richard Wagners Musik lauschen. Wie viel Zeit ich hier schon verbracht habe,
weiß ich nicht ...

Natürlich haben wir auch eine Stadtführung durch Füssen gemacht und ein Fleckchen entdeckt, das ich vorher noch nicht gesehen habe, im Sebastians - oder Alten Friedhof, das Grabdenkmal von (Johann)Domenico Quaglio, einer der bedeutendsten Architekturmaler der deutschen Romantik. Er wurde 1832 mit dem Wiederaufbau und der Ausschmückung von Hohenschwangau beauftragt, und kurz vor der Vollendung des Schlosses brach er auf der Baustelle zusammen und verstarb 1837 im Alter von 50 Jahren. Auf seinem Grabstein, noch gut erhalten, steht: "Dieses Denkmal weihte seinem Andenken der Kronprinz von Bayern". Dieser Friedhof, der sich an die Füssener Stadtmauer schmiegt, neben dem Franziskaner-
kloster, ist noch sehr gut erhalten und man findet außergewöhnliche Grabsteininschriften. Es werden die alten Berufsbezeichnungen genannt oder die "getreue Zweith-Gattin und geliebte Mutter", das 80-jährige "Fräulein ..." oder "die brave Jungfrau ...", "die Ökonomensgattin ...", man muss beim Lesen schon schmunzeln.

Verlässt man den Friedhof und wendet sich nach rechts, führt ein schmaler, kurzer Steig mit Kopfsteinpflaster belegt in die noch sehr gut erhaltene Altstadt. Schaut man nach oben sieht man das gotische Hohe Schloss (zu)Füssen und etwas tiefer thront das Kloster Mang, zusammen bilden sie die charakteristische Silhouette der Stadt. Sehr beeindruckend sind auch die spätgotischen Illusionsmalereien an den Türmen und Wänden des Schlosses.

Füssen - hier erleben wir noch das urige Allgäu, auf den Hängen und Wiesen grasen die Kühe mit ihren Kälbern und bimmelnden Glocken am Hals. Hier duftet es noch nach frisch gemähtem Gras und Heu. Bunte Wiesenblumen säumen die Wanderwege an den Seen, Wildblumen und Kräuter wuchern wild auf den Feldern entlang der Spazierpfade, Bänke unter uralten Buchen laden zum Verweilen ein, sogar Glühwürmchen schwirren in der Dämmerung um uns herum. Ich weiß, warum sich unser Kini hier in diesem reizenden Fleckchen Erde so wohl gefühlt hat, denn ich tu es auch und spüre die mystische Magie in meinem Herzen. Ja, hier fühle ich mich wie zuhause angekommen. Ludwig, lieber Ludwig ... Danke!

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Torbogen a.d. Stadtmauer.

Marienbrücke und
Schloss Neuschwanstein.

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Schloss Neuschwanstein.

Pöllatschlucht.

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Im Schloss.

Seitenansicht vom Schloss.

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Gusseiserner T-Träger.

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Blick auf Schloss Hohenschwangau.

Marienbrücke, Blick vom Turm aus.

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Stadtmauer im Franziskanerkloster.

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Gasse in Füssen.

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Altes Grab.

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Grab von Domenico Quaglio.

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Hohe Schloss Turm mit Illusionsmalerei.

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Grab am alten Friedhof.

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Am Alpsee.

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Hohenschwangau.

Wildblumen.

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