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Die 51-jährige Erziehungswissenschaftlerin Menekse Kaross ist von ganzem Herzen SOS-Kinderdorfmutter. Foto: Christoph Rublack

Die 51-jährige Erziehungswissenschaftlerin Menekse Kaross ist von ganzem Herzen
SOS-Kinderdorfmutter. Foto: Christoph Rublack

„Ich wünsche mir nichts anderes, als das was ich habe!“
SOS-Kinderdorfmutter Menekse Kaross schildert
ihren neuen Alltag in Zeiten von Corona


„Den Kindern, insbesondere den kleinen Kindern, die Corona-Situation kindgerecht zu erklären ist nicht ganz einfach.“ Menekse Kaross muss es wissen. Sie ist SOS-
Kinderdorfmutter in Dießen und betreut sechs Kinder, die altersgemäß beinahe wie die sprichwörtlichen „Orgelpfeifen“ aufeinander folgen. Sie sind eins, drei, sechs, sieben, acht und 16 Jahre alt. Allesamt sind sie jetzt daheim in ihrem Familienhaus
im SOS-Kinderdorf.

„Die ersten zwei bis drei Tage waren wir völlig perplex wegen der Situation, dann wurde es etwas chaotisch, dann habe ich einen sehr strengen Tagesplan entwickelt“, beschreibt Kaross die Situation in der Familie. Nun sind die Kinder quasi rund um die Uhr beschäftigt, mit Hausaufgaben, Spieleinheiten, Essenszeiten, Spaziergängen und gemeinsamen Tanzen für die gute Laune. Zwischen Abendbrot und Bettgehzeit wird gemeinschaftlich vorgelesen.

Nur mit diesem geregelten Tagesplan ist es möglich, dass alle es gut schaffen: die Mitarbeiter und die Kinder. Zwischendurch brennen denen immer wieder dieselben Fragen unter den Nägeln: Warum darf ich meine Freundin von nebenan oder den Kumpel aus dem anderen Haus nicht sehen? Sie vermissen ihre Freunde, den Kindergarten und sogar die Schule
und ihre Lehrer.

Um ihnen die Situation zu verdeutlichen, versammelte die SOS-Kinderdorfmutter ihre Kinder anfänglich um den großen Familientisch. Hier erklärte sie ihnen einfach und mit einem kleinen visuellen Experiment, warum es nun nötig ist, auf sich und andere aufzupassen, Abstand zu halten und sich immer gut die Hände zu waschen. „Sie sollen die Situation ernst nehmen, wir möchten ihnen aber keine Angst machen“, erklärt Kaross. Dennoch spürt sie die Verunsicherung der Kinder, die in diesen Tagen sehr an ihrer Person hängen.

Verzicht auf freie Tage
Vormittags und nachmittags hat die Kinderdorfmutter Hilfe von verschiedenen Fachkräften. „Diese sammeln jetzt natürlich eine Menge Überstunden an“, so Karos. „Aber wir haben alles gut im Griff!“ Doch die Tage sind für alle übervoll. Sie übernehmen zusätzlich die Aufgaben von Lehrern und manchen externen Therapeuten. Sie suchen nach weiteren Schulmaterialien, falls das, was von der Schule bereitgestellt wird nicht ausreicht. „Die Kinder sollen keine Wissenslücken bekommen!“ Außerdem üben sie mit Kindern, die Defizite haben, so lange diese nicht oder nur eingeschränkt therapeutisch behandelt werden können.

Die Kinderdorfmutter hat beschlossen, zunächst auf ihre freien Tage zu verzichten. Sie möchte das mit ihren Kindern gemeinsam durchstehen. Abends, wenn die Kleinen schlafen, informiert sie sich selber über die Situation. Dann macht sich die 51-Jährige Sorgen um die ihr Anvertrauten, aber auch um ihre leibliche, schon erwachsene Tochter, die in Niedersachsen wohnt und schwanger ist. Und um ihren Vater in der Türkei und ihre Mutter in Bremen. „Es sterben täglich Menschen an dem Virus, meist Ältere, aber auch kleine Kinder.
Das macht mir Angst.“

Verwöhnprogramm zum Muttertag
Die Kinderdorfmutter ist in der Türkei „zwar arm, aber sehr glücklich“ bei ihrer Oma aufgewachsen. Mit 14 Jahren kam sie nach Deutschland zu ihrer Mutter. Später studierte sie in Bielefeld Erziehungswissenschaften. Danach arbeitete sie an Schulen und in einem westfälischen Kinderdorf mit ähnlichem Konzept. Nachdem sie sich Anfang 2016 bei SOS-
Kinderdorf in Dießen bewarb, ging alles sehr schnell: schon im April trat sie hier ihre neue Stelle an. Ihre Bewerbung kam gleichzeitig mit der Anfrage an das SOS-Kinderdorf, einige ihrer jetzigen Kinder in Dießen aufzunehmen. So kann die Erziehungswissenschaftlerin nicht so recht daran glauben, dass sie heute nur zufällig in Dießen mit den ihr anvertrauten Kindern „wie in einer richtigen Familie“ zusammenlebt.

Sie ist ein Glücksfall für das SOS-Kinderdorf, mit ihrer guten fachlichen Ausbildung und ihrem Herzen am rechten Fleck. „Ich liebe alle Kinder in der Familie wie meine eigenen, es ist genau dasselbe Glück“, erzählt Kaross. Und so hofft sie, mit der ganzen Familie in den Sommerferien nach Niedersachsen zu fahren, um ihre leibliche Tochter zu besuchen, die dann vielleicht schon ihr Baby hat. „Sie ist die große Schwester für alle.“ Mitnehmen wird sie ebenfalls ihren Mann, der in der Kita nebenan arbeitet und für die Kinder im Haus so etwas wie ein Vaterersatz ist. „Ich hoffe, bis dahin hat sich das Leben langsam wieder normalisiert, auch damit
wir reisen können!“

Auf die Frage, was sie sich zum Muttertag wünscht, schmunzelt Kaross und erzählt, dass die Kinder immer schon einen Tag vorher anfangen zu tuscheln. Meistens gebe es einen Kaffee ans Bett und ein schönes Frühstück. Und dann gesteht sie: „Ich wünsche mir nichts anderes, als das, was ich habe!“


Dörte Loy, stellvertretende Direktorin Augustinum, Angelica Benz, Bereichsleiterin KD, Anke Hertzsch, SOS-Kinderdorfmutter und Sabine Cichowski, Kulturreferentin Augustinum, wünschen sich nach der Übergabe der Geschenke und mit gebührendem Abstand frohe - und vor allem gesunde - Ostern. Foto: Christoph Rublack

Dörte Loy, stellvertretende Direktorin Augustinum, Angelica Benz, Bereichsleiterin KD,
Anke Hertzsch, SOS-Kinderdorfmutter und Sabine Cichowski, Kulturreferentin Augustinum, wünschen sich nach der Übergabe der Geschenke und mit gebührendem Abstand frohe – und vor allem gesunde – Ostern. Foto: Christoph Rublack

Bunte Basteleien von SOS-Kinderdorf-Kindern
Senioren des Augustinums in Dießen freuen sich über Ostergeschenke

Warum nicht einmal umgekehrt? SOS-Kinderdorfmutter Anke Hertzsch hatte die Idee, den Bewohnerinnen und Bewohnern des Augustinums mit kleinen Aufmerksamkeiten zu Ostern eine Freude zu machen. Denn genauso wie im SOS-Kinderdorf sind auch dort die Besuchsmöglichkeiten durch die Verwandten eingeschränkt. So rief sie ihre Kolleginnen zum Mitmachen auf und in den SOS-Kinderdorf-Familien wurde eifrig gebastelt und
liebevoll gestaltet.

Rechtzeitig zum Fest übergaben Anke Hertzsch (vorne im Bild) und Bereichsleiterin KD Angelica Benz (Zweite von links) die Ostergrüße und Karten der Kinder an Dörte Loy, stellvertretende Direktorin Augustinum (links), und Sabine Cichowski, Kulturreferentin Augustinum (rechts). Die bedankten sich herzlich und freuten sich über die nachbarschaftliche Kooperation. Denn zu Weihnachten hatten die SOS-Kinderdorf-Kinder Geschenke von den Senioren erhalten.


SOS_Leerer_Spielplatz_SOS

Der Spielplatz vor der Kita bleibt in diesen Tagen leer bis wenig besucht.
Die Einrichtungen mit Publikumsverkehr wurden geschlossen. Es gibt nur eine kleine
Notfallgruppe in der Kindertagesstätte. Foto: Christoph Rublack

Einblicke in den neuen Alltag im SOS-Kinderdorf Dießen
Corona verändert das Leben der Betreuungs-Familien

„Ich vermisse meine Freunde und die Lehrerin“, erzählt die zehnjährige Mia (Name geändert). Sie wohnt mit ihren Kinderdorf-Geschwistern in einer der acht Familien des SOS-Kinderdorfs in Dießen. Wie bei allen Familien in Bayern, gelten auch hier die Regeln in Zeiten von Corona: Der Kontakt ist auf den Familienverbund beschränkt.

So dürfen sich auch beste Freundinnen, die im Dorf nebeneinander wohnen, nicht auf dem Spielplatz treffen. Auch wenn die Kinder das ‚doof‘ finden, können sie der Situation etwas Gutes abgewinnen. So erzählt die zwölfjährige Verena: „In der Früh gehen wir erstmal raus und wir spielen Bockspringen im Wohnzimmer. Wir machen auch die Hausaufgaben im Wohnzimmer, alle an einem Tisch.“

Für die Mitarbeiter des SOS-Kinderdorfs bedeuten die neue Situation, Höchstleistungen zu vollbringen. Seit Tagen arbeiten sie auf Hochtouren. Ein Krisenstab bespricht fortlaufend alle neuen Informationen, vereinbart Schutzmaßnahmen und Notfallregelungen. Die Arbeitsfähigkeit muss für die von SOS-Kinderdorf betreuten Kinder und Jugendlichen, sichergestellt werden. So werden Dienstpläne neu geschrieben und einheitliche Regeln für die Dorffamilien formuliert. Ziel aller Aktivitäten ist es, die Mitarbeitenden und die Kinder so gut wie möglich zu schützen. „Viele Familien sind dankbar, dass wir die Regeln sehr klar und für alle einheitlich formuliert haben, denn umso besser können diese an die Kinder kommuniziert werden“, erklärt Bereichsleiter Christoph Rublack.

Alle Mitarbeiter wissen, dass es jetzt in besonderem Maße auf sie ankommt. Gerade für Kinder, die viel Sicherheit benötigen, sind jetzt stabile Strukturen wichtig, die die SOS-
Kinderdorfmütter und ihre Mitarbeitenden nun vorgeben. Sie kümmern sich um die Hausaufgaben und Lernpläne, die die Kinder von den Schulen bekommen und organisieren gemeinsame Bastel- und Spielerunden. Erzieherin Maria Schmid erzählt über die neue Situation in den Familien: „Wir versuchen, ganz kreativ den normalen Alltag aufrechtzuerhalten. Wir leben unsere Routinen, machen Schule mit den Kindern und sind immer da für sie. Sie wissen, dass sie sich auf uns verlassen können!“

Schmid beobachtet dabei, dass derzeit keines der Kinder besondere Ängste hat. So erklärt der elfjährige Marcel: „Gut, dass ich hier bin! Ich habe viel Zeit und hier ist einfach mein
Zuhause.“ Die neunjährige Anna bestätigt, dass sie sich im SOS-Kinderdorf sicher fühlt und gleichzeitig hofft, dass es allen Kindern aus ihrer Klasse so gut geht wie ihr.

Wichtig ist für die Betreuenden, die Kinder und Jugendlichen mit den vielen bedrohlichen Medieninformationen nicht allein zu lassen und sie dort abzuholen, wo sie stehen: „Wir hören mit ihnen die Erwachsenen-Nachrichten. Danach setzen wir uns zusammen und besprechen alles ausführlich. Wir erklären ihnen, was gerade passiert und sie verstehen sehr viel!“, so Schmid. Besonders beliebt sind in diesen Tagen die Familienspaziergänge und ein Ausflug in die dorfeigene Mediathek: Dort können weiterhin Bücher, Spiele und DVDs ausgeliehen werden. Zeitfenster verhindern hier die Kontakte zwischen den Familien.

Theoretisch gibt es auch bereits Pläne, dass die täglichen Lebensmittelbesorgungen für alle SOS-Kinderdorf-Familien zentral erledigt werden. Doch diesen Außenkontakt lassen sich die Kinderdorfmütter verständlicherweise noch nicht so gerne nehmen. Weitere Kontakte nach außen sind jedoch vorläufig eingestellt worden. „Wir haben allen Eltern der betreuten Kinder und Jugendlichen erklärt, dass wir persönliche Besuche derzeit zum Schutz der Kinder einschränken müssen“, so Rublack. Er lobte das große Verständnis und die Disziplin
an allen Stellen.

Der Publikumsverkehr in den Einrichtungen des SOS-Kinderdorfs Ammersee-Lech ist komplett eingeschränkt – lediglich die Kindertagesstätte hat eine Notfallgruppe mit derzeit drei Kindern eingerichtet. Auch der Familientreffpunkt Minimax in Landsberg ist vorübergehend geschlossen und die dortigen Beratungseinrichtungen haben ihre Termine drastisch zurückgefahren. Für SOS-Kinderdorf-Mitarbeitende, die selbst ihre Kinder betreuen müssen, sind, wo möglich,
Home-Office-Arbeitsplätze eingerichtet worden. So können notwendige Verwaltungsaufgaben weiterhin erledigt werden. Dabei unterstützt der SOS-Kinderdorfverein als Träger der Einrichtungen, wo er kann – sei es in arbeitsrechtlichen Fragen, mit einer funktionieren
IT-Infrastruktur oder durch Freistellungen einzelner Mitarbeiter.

Die Situation ist für das SOS-Kinderdorf, wie für viele Einrichtungen, in diesen Tagen sehr herausfordernd. Dieser Krisenfall zeigt jedoch auch, wie erfahren die SOS-Kinderdorf-
Mitarbeiter sind und wie gut jeder seine Aufgaben kennt. „Das Miteinander im Kinderdorf läuft sehr harmonisch ab – gerade auch wegen des langjährigen pädagogischen Hintergrunds aller Mitarbeiter“, lobt Einrichtungsleiter Andreas Brommont. „Ich finde es fantastisch, wie alle zusammenhalten und wie konstruktiv, ruhig und lösungsorientiert alles abläuft.“

Info: Die Beratungsstelle für Kinder, Jugendliche und Eltern (Erziehungsberatungsstelle) in Landsberg ist für Publikumsverkehr geschlossen, aber telefonisch weiterhin unter
Tel. 08191/911 890 von 9 bis 12 und 13 bis 17 Uhr erreichbar. Des Weiteren helfen die Mitarbeitenden gerne per E-Mail unter fbz-landsberg@sos-kinderdorf.de weiter.

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